 Der Geist des Ortes
| | |  OBEN | |  | ie frühen arabischen Seefahrer hielten ihn für den "höchste Berg der Welt", der Franzose Sonnerat beschrieb ihn 1782 als den "höchsten Berg Asiens", und noch 1807 hielt der Brite Cordiner ihn für den "höchsten Berg der Insel". | | Heute ist der 2243 m hohe Adam`s Peak oder Sri Pada, der ähnlich einem Zuckerhut aus den grünen Hügeln des Hochlandes ragt, nicht mehr der höchste Berg Sri Lankas und seine geographische Bedeutung erheblich geschrumpft - nicht abgenommen hat jedoch sein spirituelle Höhe. Der Grund für diese ausserordentliche überregionale Bedeutung ist eine, einem Fuss ähnliche Vertiefung auf dem felsigen Gipfel - sie ist vier Religionen heilig: Buddhisten, Hindus, Muslime und Christen. | | 
| | Verehrt wird der Adam´s Peak schon seit Urzeiten, galt er doch schon für die Ureinwohner der Insel, den Veddas, als heilig. Im Mahavamasa, einer alten Chronik der Insel, wird von Vihaya berichtet, der zum König von Ceylon wurde. Vihaya, ein aus Indien verbannter arabischer Prinz, eroberte 543 v. Chr. die Insel und heiratete die einheimische Prinzessin Kurveni, die dem Prinzen mehrere Kinder schenkte. Nach der Ermordung der Prinzessin flohen ihre Kinder schutzsuchend auf den heiligen Berg und wurden so zu Ahnen der autochthomen Veddas. | | Nach dem auf dem heiligen Berg wachenden Gott und vorbuddhistischen Schutzgeist Samana (Samanala Kanda, Saman, Saman Deva Raja), eine der vier Hüter-Gottheiten der Insel, wurde er ursprünglich Samanala, Samanas Wohnsitz, genannt. Der Gott spielt heute im Glauben der Singhalesen eine gewisse, wenn auch bescheidene Rolle. Variationen dieses Namens sind Samanalakanda oder Sumanakûta. Wegen der Myriaden kleiner Schmetterlinge, die im Frühling zum Adam´s Peak geweht werden, heisst er im Volksmund auch "Schmetterlingsberg". |  Gipfel des Adam`s Peak | | Der heutige Name ist auf den Glauben der Muslime zurückzuführen, dass Adam und Eva nach | | ihrer Vertreibung aus dem Paradies hier ihre neue Heimat gefunden haben, wobei der Berg zu ihrem Zufluchtsort wurde. | | Auf der Spitze, und das ist das besondere am Adam`s Peak, befindet sich ein Felsen, mit einer Vertiefung von ca. 160 cm x 75 cm, einem riesigen, überdimensionalen Fussabdruck ähnlich. Einer volkstümlichen buddhistischen Überlieferung nach ist dieser jedoch nur eine vergrößerte Kopie über dem eigentlichen, echten Fußabdruck; dieser soll sich darunter befinden, eingeprägt mit einem überdimensionalen Saphir. Der Abdruck - Sri Pada genannt, «Der edle Fuß» - soll im 1. Jh.v.Chr. von König Valagama Bahu entdeckt worden sein, der von einem Hirsch dorthin geführt worden war. Wahrscheinlich fanden sich bald darauf die ersten Pilger dort ein, nach gesicherter Erkenntnis jedoch mindestens seit dem Ende des 10. Jh. König Vijaya Bahu I. (reg. 1071-1126), der dort Pilgerunterstände bauen liess. |  Buddhistische Mönche auf dem Gipfel | Für die Muslime verbrachte an dieser Stelle Adam, auf einem Bein stehend, seine 1000 jährige Busse. Eine Legende erzählt, dass Adam, als er aus dem Paradies verstossen wurde, nach Sri Lanka kam, weil die Insel ein dem Paradies ähnliches Gefilde gewesen war. | | Für die Buddhisten stammt dieser Fussabdruck von Buddha selbst, der ihn bei seinem dritten und letzten Besuch hinterlassen habe. Eine Legende besagt, dass Saman, der Schutzgott des Landes, den Buddha kurz vor seiner Abreise bat, die Spur seines Fusses auf der Insel zurück zu lassen, wie es schon viele Erleuchtete vor ihm getan hätten. Daraufhin erhob sich Buddha mit 500 Begleitern, begab sich zur Spitze des Berges und schwebte über der Stelle, an der sich die Fussabdrücke der anderen Erleuchteten befanden. Der Felsen löste sich vom Untergrund und erhob sich in die Luft. Nun empfing der unten verbliebene Fels den Eindruck des linken Fusses des Buddha und der obere fiel auf seinen jetzigen Platz zurück. Den nächsten Schritt, so die Legende weiter, hätte Buddha in Siam (Thailand) mit seinem rechten Fuss gesetzt. Der in Thailand Phra Sat genannte Abdruck, soll | | in Aussehen und Grösse dem des Adam´s Peak ähnlich sein. In anderen Variationen dieser Legende, soll Buddha erst seinen rechten Fuss nördlich der königlichen Hauptstadt aufgesetzt haben und dann, fünfzehn Yonas (altes ind. Längenmass) weiter, den Adam`s Peak betreten haben und seinen Abdruck mit einem riesigen Saphir in den Fels geprägt haben. | | Nach dem Glauben der Hindus, auf Sri Lanka in der Regel die Tamilen, war es Shiva oder der einheimische Gott Samana, der den Abdruck prägte. Sie nennen den Berg in Anlehnung an Shiva auch Shiva Adi Patham, "Schöpfungstanz Shivas". Die südindischen und singhalesischen Christen sehen in dem Stein den Fussabdruck des heiligen Thomas, der auch auf der Insel gepredigt und missioniert haben soll. | | Der grosse arabische Forschungsreisende Ibn Battuta (1304-1377), der den Berg Serendib nannte, besuchte ihn auf einer seiner Fahrten. In seinen lebendigen Reisebeschreibungen berichtet er von zwei Wegen, die auf den Berg führen - der Weg des Baba (Adam) und der Weg der Mama (Eva). Zur Sicherung der Pilger sind schon zu seiner Zeit Ketten angebracht worden, von denen er eine als die "Kette des Glaubensbekenntnisses" beschreibt. Einer Legende nach soll Alexander der Gosse (365-323 v.Chr.) die Ketten angebracht haben, obwohl es keinen Beweis zu einer Reise nach Sri Lanka gibt. Auch Marco Polo, der ebebfalls nie auf der Insel war, weiss über Ketten und Berg zu berichten: "Seilan ist, wie ich früher schon gesagt habe, eine große Insel. Ein Berg erhebt sich dort, der so steil ist, daß niemand hinauf gelangen kann, es sei denn nach folgender Weise: an den Felswänden hängen an bestimmten Abständen Eisenketten, dank ihnen ist es möglich, den Berg zu erklimmen. Man sagt, auf dem Gipfel sei das Denkmal Adams, unseres Urvaters." |  Gipfelbereich | Beide Wege haben einen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad. In früheren Zeiten zählte nur der schwierigere Weg von Süden her als "richtiger" Pilgerweg - er brachte mehr Gewinn - , die leichtere, häufiger begangene Nordroute galt als spirituell weniger verdienstvoll. Heute führen Betonstiegen auf den Gipfel, der Weg ist sogar elektrisch beleuchtet: 1950 bat ein Minister den Gott Saman um Unterstützung in einem staatlichen Projekt , bei dessen Gelingen er sich durch die Beleuchtung der Pilger-Route revanchieren wollte. | | Der Aufstieg führt über 7 km, Angaben über die Anzahl der Stufen variieren zwischen 5.000 und 11.000. In der Saison, die von Dezember bis zum Wesak Fest im Mai dauert, unternehmen die Pilgerreise auf den Berg zehntausende von Menschen. Die meisten Pilger kommen des Nachts über die erleuchtete Treppe, die mit zahlreichen Ambalanas, Rastplätzen versehen ist, um bei Tagesanbruch Zeuge eines überirdischen" und seltenen Schauspiels zu werden: der vergrößerte, dreieckige Schatten des Berges. Dieses beeindruckende atmosphärische Phänomen wird besonders deutlich, wenn der Schatten auf eine gleichmässige Fläche fällt: hier z. B. der Dunst der Niederungen. | | Der Gipfel bildet eine etwa 300 Quadratmeter große dicht bebaute Plattform, auf der sich in einem kleinen überdachten Tempel die ummauerte Fußspur befindet. Das Regenwasser, dass von dem Fußabdruck aufgenommen wird, soll heilkräftig sein. Im 12. Jh. ließ König Parakrama Bahu I. auf dem Gipfel des Adam's Peak einen ersten, dem Hindugott Saman geweihten Tempel errichten. Später zogen buddhistische Mönche in den Tempel ein, bis der zum Brahmanismus übergetretene König Raja Sinha I. ihn im 16. Jh. wieder den Brahmanen übergab. Erst unter König Kirti Sri, der den Buddhismus auf Sri Lanka wieder in Erinnerung brachte, wurde er zwei Jahrhunderte später erneut von buddhistischen Mönchen bewohnt. Die brahmanischen Priester wurden jedoch nicht vertrieben; sie bauten einen kleineren Tempel, der heute noch erhalten ist. | | Namen | | Der ursprüngliche singhalesische Name lautet Samanala, Samanas Wohnsitz. Variationen dieser Bezeichnung sind: Samanalakanda, Sumanakûta, Die Hindus nennen ihn Shiva Adipatham, in einer Variante Sivan Adi Padham. Bei Ibn Battuta heisst der Berg Serendib. |  | | 
| | Quelle: Internet; Evans-Wentz,W.Y., Cuchama, Sphinx; Gratzl, K., Mythos Berg, Hollinek; Krack, Rainer, Sri Lanka, Reise Know-how; Sri Lanka, Apa Guides , Nelles | |