Genius Loci
Der Geist des Ortes
 
 

OBEN
Heilige Berge





er Athos ist der östlichste der drei Finger der makedonischen Halbinsel Chalkidiki und wird in seiner gesamten Länge von einem Gebirgsrücken durchzogen, der sich am Ende zu einem gewaltigen Gipfel von 2033 Metern Höhe auftürmt, dem Berg Athos.

Ein besonderer, in Europa einmaliger Zustand macht diese Region zur Ausnahme. Der Heilige Berg (Agion Oros) ist ein orthodoxer Klosterstaat, der besonders geschützt wird. Dem seit über 1000 Jahren selbständigen Gebiet garantiert der griechische Staat bis heute die Unersetzlichkeit und Souveränität. Nach wie vor gilt byzantinisches Kirchenrecht und so ist es Frauen verboten, dieses Gebiet zu betreten. Einst lebten 40 000 Menschen auf dem 24 Kilometer langen und 8 Kilometer breiten Finger, heute sind es ungefähr 2000 Mönche, die in den 20 Großklöstern und mehreren kleineren Niederlassungen leben.

Schon seit altersher war der Athos eine besondere Stätte des Glaubens und der Orthodoxie. Hier haben alle Mitglieder der grossen orthodoxen Glaubensfamilie einen Platz gefunden, von den frühesten Anfängen bis in die heutige Zeit.

Die Anfänge des Mönchstums auf dem Berg Athos liegen im geschichtlichen Dunkel - Hinweise deuten auf erste Besiedlungen durch Eremiten im 5. Jahrhundert Um die Zusammenhänge des Mönchtums verständlich zu machen, muss noch etwas zur Geschichte des byzantinischen Mönchstums gesagt werden. Die Ursprünge dieses Mönchstums liegen in Ägypten, gelebt von den Wüstenvätern, deren oberstes Ziel die Hesychia , "innere Ruhe" war, was sie durch Schweigsamkeit, Kontemplation und vor allem Demut zu erreichen versuchten. Diese Anachoreten lebten in einer Kellia, "Einzelzelle" und standen untereinander in losem Kontakt.


Der Athos von der Westseite

Parallel dazu entwickelte sich seit Mitte des 4. Jahrhunderts die Form des Zusam-menlebens der Mönche nach festen Klos-terregeln , abgeschlossen von der Aussen-welt. Dieses koinobitische Mönchstum war eingebettet in eine feste Organisation, die gemeinsames Beten, Essen und Arbeiten vorsah. Ausgehend von Ägypten verbreitete sich diese koinobitische Form schnell über den Sinai und Palästina nach Georgien, Ar-

menien und Syrien. Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass vor allem in Syrien Klöster mit Vorliebe auf oder an Bergen errichtet wurden (Silpios und der Wunderberg, der "Schwarze Berg" bei Antiocheia). Auch im Nordwesten Kleinasiens fand eine Vielzahl an Klostergründungen statt wie z. B. der Auxentiosberg (nach Auxentios, 5. Jh.), der Ganos und der bithynische Olymp bei Pursa.

Die Anfänge des Athos als Mönchsberg liegen im geschichtlichen Dunkel. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Anfänge ist die Gegnerschaft zwischen den Einsiedlern und den Klosterbrüdern. Zwei Urkunden aus dem 9. Jahrhundert, die auch als älteste schriftlichen Zeugnisse gelten, belegen dies. Man kann davon ausgehen, dass zuerst die Fraktion der Einsiedler in Hütten oder Höhlen den Athos bewohnten.

Deren "Wortführer" Ioannes Kolobos wendet sich in der ersten Urkunde mit der Bitte um Schutz vor Bauern und Hirten, die ihr Vieh auf den Berg trieben und so die Hesychia störten, an Kaiser Basileios (883). Die zweite Urkunde wendet sich gegen die Unterdrückung der Anachoreten durch neuen Mönchsgemeinschaften.

In dieser Urkunde wird zum ersten Mal ein Kloster und in diesem Zusammenhang ein Mönch Andreas erwähnt, den man als ersten Protos, " Ministerpräsident" , der Mönchsrepublik bezeichnen kann. Im 10 Jahrhundert beschlossen Kaiser Nikephoros II.Phokas (963-969) und der Mönch Athanasios die Gründung eines Klosters. Die sogenannte Megiste Laura ("Grösste Laura", Laura=um-mauertes Koinobion) wuchs schnell von der vorgesehenen Zahl von 80 auf 120 Mönche; der Grundbesitz nahm beträchtlich zu. Das Kloster erhält auch eine besondere Rechtsform: es ist vom Diözesanbischof unabhängig und untersteht nur dem Kaiser. Der Abt des Klosters bekommt eine grössere Autorität (Hegumenos), zu Gehorsam und Unterordnung sind die normalen Mönche verpflichtet. So bildeten sich schnell innerhalb der Klostergemeinschaften "Klassen" heraus: Die Kloster- Aristokratie ließ sich bedienen, die Mönche hatten zu dienen.


Kloster Megiste Laura

Wie man sich unschwer vorstellen kann, rief diese Entwicklung den Widerstand der Eremiten hervor, die sich gegen die Verklösterung des Heiligen Berges beim Kaiser beschwerten. Doch das Urteil des Kaisers Ioannes Tzimiskes fiel, wie nicht anders zu erwarten war, zugunsten des Klosters aus. Der Wert der "inneren Ruhe" wurde zwar anerkannt, aber der Trend ging zweifellos zum Kloster. Die schnelle Entwicklung der Megiste Laura ging unaufhaltsam weiter. Aus Urkunden von 1045 geht hervor, dass das Grosskloster mittlerweile auf 700 Mönche angewachsen war, zu deren Versorgung die Mönche exklusiv das Recht hatten, Vieh zu halten. Im weiteren Verlauf der Geschichte kam es zu weiteren Gründungen von Gross-Klöstern wie Batopedi, Chilandar, Kutlumus oder Xeropotamu, die in der Regel alle aus kleineren Mönchsgemeinschaften hervorgingen, deren Mitglieder einer bestimmten Nationalität angehörten.


Kloster Simon Petrus

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden die Eremiten wieder aktiv und es kam zu der Bewegung der sogenannten Hesy-chasten in Anlehnung an die schon erwähnte Hesychia. Sie wandten als Mystiker bestimmte Praktiken, wie eine besondere Atemtechnik oder das Rezitieren des Jesusgebets ("Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner!") an, die zur Gottesschau führen sollten. Unter dem Druck der Mehrheit wandten sich noch im gleichen Jahrhundert die Grossklöster der sogenannten Idiorrhytmie zu, die den einzelnen Mönchen gewisse Freiheiten

nach eigenem Gusto einräumten, die sogar das Halten eines Dieners erlauben konnten. Eine Gegenbewegung setzte erst wieder um 1800 ein, in deren Zuge die Klöster zu einer koinobitischen Lebensweise zurückkehrten und zu der sich die bestehenden Klöster auch in der heutigen Zeit bekennen.

Aus kunsthistorischer Sicht besitzen die Athos-Klöster eine grosse Bedeutung wegen ihrer Fülle an Kunstschätzen und Denkmälern. Allein die Klosterbauten, insbesondere die Kirchen mit ihren Fresken, die zur Zeit teilweise mit EU-Geldern restauriert werden, sind von hoher Qualität und werfen auf manche Epochen der byzantinischen Kunstgeschichte ein interessantes Licht.

Die ältesten dieser Wandmalereien stammen aus der Zeit um 1300. Die auf die Bibliotheken der Klöster verteilten 12000 Handschriften besitzen einen hohen ideellen und materiellen Wert. Die ältesten dieser überwiegend theologischen Schriften stammen aus dem 10. und 11. Jahrhundert und bestechen durch die Qualität der Miniaturen und Kalligraphie. Unter der zahllosen Ikonen ist die Ikone Axion estin ("Es ist würdig") die wichtigste.

Die Zukunft des Athos stimmt optimistisch. Waren in den noch bewohnten Klöstern am Anfang der 70er Jahre nur 1100 Mönche heimisch, stieg deren Zahl wieder, so dass wir heute rund 2000 zählen können. Die Novizen kommen vor allem aus Europa und Amerika auf der Flucht vor dem Materialismus.



Quelle: Internet; D. heiligsten Berge d. Welt, vfs


LINK zun Thema

Seite mit weiteren Links in englischer Sprache
Link:http://www.halkidiki.com/athos.htm

Das Tagebuch eines Athospilgers
Das „Tagebuch eines Athospilgers“ erzählt in Wort und Bild von einer Reise auf den Hl. Berg Athos (eine Mönchsrepublik, die sich in Griechenland befindet). Am Athos wird das Jesusgebet der Ostkirche seit Jahrhunderten gepflegt. Das Tagebuch erzählt von den innern und äußeren Erfahrungen auf den Hl. Berg mit dem Jesusgebet.
www.jesusgebet.net

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