 Der Geist des Ortes
| | |  OBEN | |  | er 4685m hohe Bönri oder Kongpo Ri, " Der Berg des Bön", erhebt sich in der tibetischen Kongpo-Region nahe der Stadt Ningchi (Nyingtri), südöstlich von Lhasa . Der Bönri als heiligster Berg und wichtigster Kraftplatz der Bön-Religion, steht ganz im Zeichen ihres Gründers Tönpa | | Shenrab Miwoche. Er ist einer der wenigen vom Buddhismus nicht eingenommenen heiligen Berge des Bön, zu ihm pilgern deshalb jährlich Bön-Pos aus dem gesamten tibetischen Raum. Die zwei Tage dauernde Kora , die im 14. Jahrhundert von Kuchok Ripa Druske, einem hier lebenden Einsiedler eingerichtet wurde, wird von beiden Religionen, also auch von den Buddhisten ganz entgegen ihrer Tradition, links herum durchgeführt. | | Vom Bönri heisst es, dass der andächtig Betende, wenn er Glück hat, auf dem Gipfel das Feenland und sein eigenes zukünftiges Schicksal sehen kann. Ermöglicht wird dies durch die Kraft von vier Göttern: im Osten der Pferdekönig, im Westen der heilige Elefant, im Norden der Pfau und im Süden die heilige Schildkröte; sie halten ihn in der Luft, genau in der Mitte zwischen Erde und Himmel. | | Im Gegensatz zum Kailash und Takpa Shelri, deren Mittelpunkt ein Mandala ist, konzentriert sich der Pilger beim Bönri im wesentlichen auf die mythischen Ereignisse um Shenrab Miwoche, dessen Bewusstsein er repräsentiert. So soll er den Berg im Kampf mit dem Dämon Khyapa Laring (Khyabpa Lagring) aus seinem Bewusstsein geschaffen haben. Im Gestein des Bönri versteckte Shenrab Miwoche auch Termas, "Schätze", geheime Lehrschriften, die später von Kuchok Ripa Druske entdeckt wurden. Er war auch derjenige, der den Berg im 14. Jh. für Pilgerfahrten öffnete. |  Tönpa Shenrab Miwoche | | Ripa Druske meditierte drei Jahre am Bönri, erbaute auf dem Berg ein Kloster und hinterliess zahllose Fussabdrücke im Fels. Neben Guru Rinpoche, der den Ort durch seine Meditation und verborgene "Schätze" heiligte, soll einer Legende nach auch der allumfassende Weltgott der Bön, Kuntu Sangpo , auf dem Berg meditiert haben. An den Hängen des Berges befinden sich fünf Höhlen, die durch Shenrab selbst und anderen Adepten mittels Meditation geheiligt wurden.. | | Sie enthalten alle verborgene Termas und weisen Körperabdrücke der Yogis auf. Durch weitere fünf im Inneren des Berges verborgene Seen, deutet sich ein Mandala an, in dessen Zentrum die Buddha-Gottheit Tsomchok Khagying residiert |  | | Drei Gipfel, die nicht zum Mandala gehören, haben innerhalb der Bönri-Kette mythologische Bedeutung: der Bönri oder Shenri am östlichen Ende, Muri in der Mitte und insbesondere der Lhari Gyangtho, der "göttliche Gipfel", im Südwesten, der auch die höchste Erhebung ist. Sie repräsentieren die dreifache Wirklichkeit Shenrab Miwoches: seinen Buddha-Körper, seine Buddha-Sprache und sein Buddha-Bewusstsein. Entgegen der religiösen Tradition Tibets, keine Berge zu besteigen, führen dennoch Wege auf den Berg zu einem von Ripa Druske gegründeten Kloster. | | Über die Entstehung des Lhari Gyangtho bzw. des Bönri berichtet ein alter Mythos: Der Dämonenfürst Khyapa Laring zog einst mit einer grossen Schar seiner Getreuen in das Land des grossen Tönpa Shenrab Miwoche, stiftete dort Unruhe und stahl dem Meister sieben Pferde. Um die Pferde von Khyapa Laring zurück zu bekommen, musste er das Reich Zhang Zhung verlasssen. So kam er bei der Verfolgung in das Land Bö (Tibet) und beschloss bei dieser Gelegenheit, den Menschen die Bön-Lehren zu unterbreiten. Bald erkannte er aber, dass die Einwohner noch nicht reif für diese Lehren waren und verfolgte Khyapa Laring weiter. | | In einer brennenden Wüste entwickelte sich zwischen beiden ein zerstörerischer Kampf, der sie immer weiter nach Osten bis zum Ufer des Tsangpo führte. Hier schuf der Dämon einen schwarzen Teufelsberg und versperrte damit Shenrab Miwoche den Weg. Daraufhin nahm der Meister mit dem kleinen Finger der linken Hand den Teufelsberg und erschuf darüber aus seinem Bewusstsein einen zweiten, grösseren Berg, den er niedersetzte. Der Berg erhielt den Namen Gyangtho, "Hohe Stampferde" und wurde später zum heutigen Lhari Gyangtho. Der Kampf zwischen beiden hielt noch lange an, bis Shenrab Miwoche, vom Zwist müde, in tiefe Meditation fiel. Plötzlich erkannte der Dämon die tiefe Weisheit des Meisters, gab die Pferde zurück und wurde sein Schüler. Spuren dieses Kampfes sind die zahllosen heiligen Örtlichkeiten entlang der Kora. |  | | Im Gegensatz zu den buddhistisch inspirierten Schöpfungsmythen, die die Entstehung des tibetischen Volkes im Yarlung-Tal ansiedeln, entstammen einer alten Bön-Überlieferung nach die Tibeter vom Fusse des Bönri. Im Sinne dieser Überlieferung, stieg hier auch der erste König des mythischen Yarlung-Tibets, Nyartri Tsenpo , vom Himmel auf den Gipfel des Lhari Gyangtho und der erste sterbliche König Drigum Tsempo soll hier begraben sein. | Tönpa Shenrab Miwoche | "Zu jener Zeit gab es keinen Herrscher über die Menschen. Aus diesem Grunde, berichtet die Überlieferung, wurde aus dem Lande der Obersten Lha der Herrscher Nyatri Tsenpo gesandt. Er bemächtigte sich der Sphären der dMu(-Geister) und schritt auf dem Pfad der Wolken. In Übereinstimmung mit der Weissagung wurde berichtet, daß einem gewissen Magyapa, Nachfahr des Königs Mang-kur, ein Sohn mit türkisfarbenen Augenbrauen geboren wurde, eine Inkarnation, die von der Dunkelheit vollkommen gereinigt sei. Als ein schlechtes Omen angesehen, wurde er ergriffen und von der Höchsten Gnade auf den Gipfel des Lhari Gyangtho herabgelassen. Als er herabstieg, setzten ihn sich zwölf ausgezeichnete Mannen, Bön-pos und andere, auf den Nacken. Die zwölf Gyaltren (rGyal-phran) machte er zu seinen Untertanen, und sie ehrten ihn als ihren Herrscher. Zu jener Zeit saß er auf einem Thron im | | Nacken aller Männer, und wenn jemand fragte, so wurde er Nyatri Tsenpo (>Held, der den Nacken als Thron hat<) genannt." (1) | In Form einer auffälligen Mulde im Gipfelbereich des Gipfel des Lhari Gyangtho, findet der Pilger hier Nyartri Tsenpos Fussabdruck. König Drigum Tsempo war der erste tibetische König, dem der Aufstieg in den Himmel, wegen seiner Verfolgung der Bön-Religion, verwehrt wurde. Seine letzte Ruhestätte soll ein grosser Grabhügel innerhalb der Begräbnisstätte Mijik Tri Durtrö, "Friedhof des furchtbaren Thrones" oder "unzerstörbarer Thron-Friedhof" sein. |  | | Kora | | Die Bönri-Kora wird von den Bön-Pos und den Buddhisten gegen den Uhrzeigersinn beschritten. Viele Örtlichkeiten des Pilgerpfades sind mit dem Kampf Tönpa Shenrab und Khyapa Laring verbunden Der Pilger beginnt die ca. 60 Kilometer lange und zwei Tage dauernde Bönri-Kora in der Regel in der Stadt Nyingtri. In der Nähe befindet sich, geschützt durch ein Gebäude, der wohl über 2000 Jahre alte Wacholderbaum Kushuk Demdrung (Demdruck), "der Baum des ewigen Lebens". Er wurde, der Legende nach, Tönpa Shenrab von einer von ihm besiegten Dämonin geschenkt - dreizehn linksläufige Umrundungen des Baumes sollen den gleichen karmischen Stellenwert haben wie eine Kora. |  Tönpa Shenrab Miwoche | In der Nähe des Dorfes Drena befindet sich die Stelle , an der Shenrab im letzten Akt des magischen Machtspiels gegen seinen dämonischen Wiedersacher Khyapa Laring , einen Pfeil abschoss. Die Wucht des Pfeils war derart gross, dass er die neun (an anderer Stelle sieben) Schilde, hinter denen sich der Dämon verborgen hatte, durchschlug und sich bei Chumik Dhadrang in den Boden bohrte. Als Prinzessin Konhsa Ticham, Tochter des Königs von Kongpo, den Pfeil aus dem Boden zog, begann eine Quelle zu sprudeln. Das Wasser der Quelle gilt als heilkräftig und verleiht ein langes Leben. In Drena wurden Shenrab auch die vom Dämonen Khyapa Laring geraubten Pferde zurück gegeben. | | Unweit des Dorfes Miri, in dessen Nähe eine Steinplatte mit dem Fussabdruck Miwoches namens Drakar Zhabje, "Weissfels - Fussabdruck " zu sehen ist, | | steigt der Weg langsam, vorbei an vielen Kraftplätzen, auf zum Bönri-La-Pass. Vorbei an Shenrab Shukti, "Shenrabs Medtitationsthron" ,verzauberten Wäldern und Meditationshöhlen, gelangt der Pilger kurz vor dem Pass zu einem grossen Felsen. 1986 wurde hier in einem öffentlichen Ritual ein von Shenrab versteckter "Schatz" entnommen. | Nicht identisch ist der Bönri mit dem 6000 Meter hohen gleichnamigen Berg am Kailash, den der Bön-Po Naro Bönchung (Naro bon chun) in dem berühmten Zaberkampf mit Milarepa geschenkt bekam. |  | | Namen | | Bönri, Kongpo Bönri, Kongpo Ri, "Der Berg des Bön" |  | | | (1) A. Gruschke, Die Heiligen Stätten der Tibeter, Diedrichs Gelbe Reihe |  |  | | Quelle: Internet; A. Gruschke, Die Heiligen Stätten der Tibeter, Diedrichs Gelbe Reihe; Olschak u.a.,Himalaya, vgs; Gratzel, K., Mythos Berg, Hollinek, Dowman, K. Geheimes heiliges Tibet, Atlantis; Lexikon des Buddhismus, Herder |
|