Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

OBEN
Heilige Berge
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Croagh Patrick
Croagh Patrick

"Und Patrick begab sich auf die Spitze des Berges Cruachan Aigli und blieb dort während der nächsten 40 Tage und Nächte und die Vögel belässtigten ihn und er konnte weder den Himmel noch das Land sehen. Denn zu allen heiligen Männern Irlands ... sagte Gott: ´Steigt hinauf, ihr heiligen Männer, zur Spitze des Berges, die alles überragt, und die höher ist als alle Berge im Westen, um die Menschen zu segnen.´"
Book of Armagh (1)

er Croagh Patrick, Irlands heiliger Berg, ragt unweit von Westport unvermittelt 753 Meter hoch aus dem weiten Küstenvorland.
Dieses uralte Pilgerziel der irischen Insel ist ein steiniger

St. Patrick

Berg, auf den die Pilger teilweise mit bloßen Füßen wallfahren - zum Gedächtnis an die Christianisierung Irlands durch den heiligen Patrick. Die Wallfahrt dient der Erinnerung an die vierzig Tage der Buße, die sich der heilige Patrick 441 hier auferlegt haben soll, und der Berg ist zur wichtigsten Pilgerstätte in Irland geworden.

Geboren wurde Patricius, so sein Geburtsname als Sohn eines Beamten der römischen Besatzungsmacht, bereits als Christ in der Endphase der römischen Besetzung in Britannien, nach anderer

Überlieferung in Schottland. Im Alter von 15 oder 16 Jahren wurde Patricius von irischen Piraten nach Irland verschleppt, wo er etwa sechs Jahre lang als Sklave lebte, bevor ihm die Flucht gelang. Die Gefangenschaft nahm Patrick als einen Ruf Gottes an und nutzte die Zeit, indem er sich Landessprache und Eigenarten der Iren aneignete.

Wieder in seiner Heimat, wollte er Priester werden und ging an die Nordküste Galliens ,wo er sich zunächst als Mönch in den Klöstern von Noirmoutier aufhielt. Hier hatte er - nach eigenen Angaben - einen Traum, der sein Leben prägte: ein Ire gab ihm einen Brief mit der Bitte, nach Irland zurückzukehren. Diese Anfrage interpretierte er als Missionsauftrag, zur Vorbereitung studierte er Theologie in Lérins und Auxerre und kehrte dann als Nachfolger des ersten irischen Missionars Palladius nach Irland zurück.

Gipfelbereich des Croagh Patrick
Luftaufnahme des Gipfelbereichs

Verbürgt ist sein Eintreffen im Jahr 432 in Irland zusammen mit 24 Gefährten, der Legende nach sollen bei seiner Ankunft alle Schlangen und giftigen Tiere die Insel verlassen haben. Patrick war mit seiner Arbeit sehr erfolgreich und stelle sich sehr geschickt an. Er respektierte die keltischen Traditionen und religiösen Formen, deutete sie jedoch christlich um. Er zerstörte nicht, sondern nahm die Sehnsucht, die in allen kultischen Formen steckt, ernst und entwickelte sie weiter. Zudem hat er nicht die fremde römisch-

lateinische Kirche mit ihren Strukturen und Hierarchien eingeführt. Angeblich hatte er seiner Gemeinde die Trinität anhand eines dreiblättrigen Kleeblattes veranschaulicht, das zum irischen Nationalsymbol wurde. Wie einst Moses am Sinai, soll er sich im Jahre 441 für vierzig Tage zu einem intensiven vorösterlichen Fasten und Beten auf den heute Croagh Patrickgenannten Berg in der Grafschaft Mayo zurückgezogen haben. Nach der Handschriftensammlung "Book of Armagh" sind seine Gebete immer wider von schwarzen Vögeln gestört worden, die in späteren Legenden zu Dämonen und Schlangen wurden.

In einer Höhle mit Namen Lag na nDeamhan auf der Nordseite des Berges, konnte er sie verbannen - bis in die heutige Zeit übrigens, denn auf der Insel fehlen giftige Schlangen und Reptilien. Der Legende nach sei ihm jede Nacht ein Engel erschienen um ihn nach seinen Wünschen zu fragen. Patrick habe erbeten, im Jüngsten Gericht selbst über die Iren urteilen zu dürfen; als dieser Wunsch abgelehnt wurde, habe er gedroht, den Berg nie mehr zu verlassen, worauf der Engel ihm eingeräumt habe, "seit den Aposteln hat es keinen Mann gegeben, der mehr zu bewundern ist", weshalb der Wunsch erfüllt wurde.

Mittlerweile ist der Croagh Patrick zur wichtigsten Pilgerstätte in Irland geworden. In Erinnerung an die Tage des Fastens und der Gebete, ziehen Scharen von Pilgern alljährlich, insbesondere am sogenannten Reek Sunday oder Garland Sunday, dem letzten Sonntag im Juli, den Berg hinauf. Viele Wallfahrer gehen büssend mit bloßen Füßen oder rutschen auf den Knien, um dann am Gipfel an der heiligen Messe teizunehmen.

Pilger am Croagh Patrick
Pilger am Croagh Patrick

Mit der Erwähnung eines Unglücks 1113 in den "Annnals of Ulster" ("Ein Feuerball erschien in der Nacht des 17. März, also am Gedenktag des heiligen Patrick am Cruachain Aighle und erschlug dreissig Menschen, die dort fasteten."(1)) wurde die erste Wallfahrt auf den heiligen Berg schriftlich dokumentiert. Auch von offizieller kirchlicher Seite mass man dem Pilgerberg schon sehr früh eine grosse überregionale Bedeutung zu.

Reek Sunday
Historische Aufnahme auf den
Gipfel an einem "Reek Sunday"

Davon zeugt ein von Papst Eugen IV. gewährter Sündennachlass aus dem Jahr 1432 für all jene, die auf den Berg pilgern; eine Bestätigung zweier Priester aus Lyon, dass sie die Pilgerfahrt durchgeführt hätten findet sich in Form eines Briefes aus dem Jahr 1485 in den Archiven des Vatikans. Lediglich in den Zeiten der grossen irischen Hungersnöte, also in den vierziger Jahren des 19. Jahrh., brach der kontinuierliche Pilgerstrom ab, kam aber nie zum Erliegen. Als 1903 John Healy Erzbischof wurde und 1904 selbst auf den Berg

pilgerte, dort die Messe las und vom Croagh Patrick als Symbol des festen irischen Glaubens predigte, der die Jahrhunderte überdauert habe, nahm der Pilgerstrom langsam wider zu.

Die traditionelle Pilgerfahrt ist mit Ritualen verknüpft und lässt sich in drei Zonen einteilen. Leacht Benain, benannt nach Patrick 's Jünger, dem Heiligen Benignus, der später sein Nachfolger werden sollte, heisst die erste Station. Der Pilger geht hier sieben mal um einen Steinhaufen, spricht seine Gebete, die traditionell aus sieben "Vater Unser", sieben "Gegrüsset seist Du Maria" und dem abschliessenden Glaubensbekenntnis bestehen.

Pilger am Croagh Patrick
Barfüssiger Pilger
am Croagh Patrick

Mit dem Erreichen des Gipfels beginnt die zweite Station. Hier kniet der Pilger nieder und spricht wiederum obige Gebetsfollge. In der Nähe der sich auf dem Gipfel befindenden Kapelle betet der Gläubige für den Papst und umrundet dann die Kapelle im Uhrzeigersinn unter den bekannten Gebeten fünfzehn mal. Zum Abschluss der Zweiten Station umwandelt der Pilger betend sieben mal Leaba Phadraig, Patrick 's Bett.

Der Ort Roilig Mhuire, "der Friedhof der Jungfrauen", befindet sich etwas abseits auf der Westseite des Gipfels. Hier gibt es drei Steinhaufen, die anfänglich jeweils einzeln sieben mal, und dann in ihrer Gesamtheit mit Gebeten zu umrunden sind. Roilig Mhuire war wahrscheinlich eine vorchristliche Grabstätte einer heidnischen Göttin, zu der Frauen wegen eines Kinderwunsches kamen, oder um Segen für ihre Kinder zu erbeten

Der Gipfel selbst ist abgeplattet und trägt eine 1902 erbaute Kapelle, in der ein Gottesdienst für Pilger gehalten wird. Hier ist auch der Stein zu sehen, auf dem Patrick so lange im Gebet gekniet haben soll, bis seine Knie einen Abdruck hinterliessen. Eine allerdings der Kirche nicht genehme Variante, war ein nächtlicher Fackelzug auf den Berg, der dann wegen des zu hohen Unfallrisikos 1974 verboten wurde. Für nimmermüde Wallfahrer empfiehlt sich der 55 km lange Pilgerweg Tochar Phadraig, der vom Ort Balla zum Croagh Patrick führt. Der Pilgerweg besteht aus vier Etappen, von deren die letzte, die Besteigung des Croagh Patrick ist.

Der Aufstieg ist mühsam, doch lohnt er schon allein wegen des grandiosen Blickes, den man vom konisch geformten Gipfel hat: nach Norden über die Clew Bay, nach Nordosten bis zum Nephin, nach Süden bis zu den Twelve Bens in Connemara und im Westen auf Clare Island.Auch der 1811 in Kalkutta geborene irische Autor William Makepeace Thackeray, der mit seinen Büchern die irische Upper Class beschreibt und mit seinem Roman Vanity Fair ,Jahrmarkt der Eitelkeit, Weltruhm erlangte, schildert mit folgenden Worten die Aussicht:

" And presently, from an eminence, I caught sight not only a fine view, but of the most beautiful view I ever saw in the world. (...) The sun was just about to set and the country round about and to the east was almost in twilight. Trees, cornfields, cottages, made the scene indescribably cheerful; noble woods stretch towards the sea, and abutting on them, between two highlands, lay a smoking town. The mountains were tumbled about in a thousand fantastic ways, but the bay, and the Reek, which sweeps down to the sea, and a hundred islands in it, was dressed up in gold and purple, and crimson with the whole cloudy west in flame. Wonderful, wonderful! The islands in the bay looked like so many dolphins and whales basking there. It forms an event in one´s life to have seen that place, so beautiful is it and so unlike all oter beauties that I know of. "
(Irish Sketch Book) (1)

Namen

Croagh Patrick, Mons Egli ("Book of Armagh") und Crochan Aigli (irische Vision aus der Handschrift "Book of Armagh")

Croagh Patrick
 

(1) Gratzl, K. , Mythos Berg, Hollinek

Quelle: Internet; Gratzl, K. , Mythos Berg, Hollinek

 

OM MANI PADME HUM
OM! Juwel im Herzen des Lotus!HUM!

© emmet 4-2008

 

 

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