Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

OBEN

Fuji

»Beim Hinaustreten an die Bucht von Tagonoura
ist er zu sehen- ganz weiß.
Am Gipfel des Fuji ist Schnee gefallen.«
Kasa no Ason Kanemura/Manyoshu III,37; 8. Jhdt.

it einer Höhe von 3776 Metern ist der Vulkan Fuji der höchste Berg Japans. Einer alten Erzählung nach, soll der Berg in einer Nacht während eines Erdbebens zu seiner derzeitigen Höhe emporgestiegen sein. Zahlreiche Ausbrüche sind historisch belegt:zwischen 781 und 1707, dem

Jahr der letzten grossen Katastrophe, immerhin nicht weniger als 18 mal. Die Verehrung des Fuji hängt mit seinem vulkanischen Charakter zusammen. Als ungebärdiger und den Hochmut strafender Berg ist er in der ältesten Literatur Japans eingegangen.

 

Eine Mythos aus dem 8. Jh. berichtet von der väterlichen Gottheit Mi-oya-no-kami, die am Abend der Jahreswende die Heimstätten der anderen Gottheiten besuchte, um deren Gesinnung zu prüfen. Beim Berg Fuji wurde Mi-oya-no-kami barsch abgewiesen, da grade das Hirse-Fest im Haus gefeiert wurde und deshalb keine Gäste brauchen könne. Ganz anders erging es ihm beim armen Berg Tsukuba, wo er gastfreundlich empfangen und bewirtet wurde. Da erzürnte Mi-oya-no-kami und strafte den Fuji mit einem Fluch: Sommer und Winter sollte sein Gipfel mit kalten Schnee bedeckt sein.

Trotz dieses Fluches haben die Men-schen sich nicht davon abbringen lassen, den Fuji zu verehren; wie man weiss mehr als den Tsukuba. Schon zu Zeiten des 11.Tenno Suinin soll eine Kultstätte existiert haben, die im Jahre 806 an jene Stelle verlegt worden ist, an der heute die Asama- oder Sengen- Schrein stehen.

Fuji

Die in der Mythologie des Kojiki, als Tochter der Berggottheit Oyamazumi geltende Göttin Kono-hana-sakuya-hime oder "Prinzessin der blühenden Baum-Blüten" und ihr Gemahl Ninigi-no-mikoto, werden hier als Hauptgottheiten verehrt und sollen den Zorn des Berges bei Erdbeben und Vulkanausbrüchen besänftigen.

Im laufe der Geschichte wurde auch dieser heilige Ort während der Bürgerkriegszeit zerstört, bis der grosse Reichseiniger Tokugawa Ieyasu den Schrein im Jahre 1604 wieder aufrichten liess. Das es nicht bei diesem einen Schrein nicht blieb, beweist die Tatsache, das in der Umgebung des Fuji 1316 solcher Fuji-Schreine gegründet wurden, womit die Verehrung des Fuji eine neue Dimension bekam.

Einer der bedeutendsten dieser Schreine war der Murayama-Sengen-Schrein im Norden des Berges. Der Erbauer dieses Schreins war En-no-Ozune, der legendäre Begründer der Shugendo-Lehre. Er soll mehrere hundert Mal den Fuji bestiegen und dort meditiert haben, was ihm den Titel Fuji-Jonin, "Heiliger vom Fuji" neben seiner Erleuchtung einbrachte. Durch die Errichtung des Murayama-Sengen-Schreins und eines buddhistischen Tempels für Dainichi-nyorai, dem Buddha des Lichtes, wurde die Verbindung zwischen Buddhismus und Fuji eingeleitet.

Ein weiterer Bergasket sollte noch wichtiger für die weitere Fuji-Verehrung werden: Fujiwara Kakugyo. Ihm träumte, das er am Fuji eine Grotte finden würde, die die Mitte Japans und die Wohnstätte eines Gottes sei. Nachdem er 17 Tage und Nächte ohne Schlaf war, erhielt er die Erlaubnis, seine Klause in der Grotte aufzuschlagen. Kakugyo lebte in dieser hito-ana "Menschen-Höhle" mehr als die Hälfte seines 106 Jahre währenden Lebens.

Fuji
Opferfeier bei der Zeremonie des yamajimai am Ende der Bergsaison

Der dritte grosse Fuji-Heilige war der in Ise gehobene Jikigyo Miroku. Ursprünglich Tuchhändler, gab er sein Geschäft auf und wurde Wanderhändler um besser für den Fuji-Glauben werben zu können. Im Alter von 63 Jahren zog er sich 1733 für 30 Tage zum Fasten auf den Fuji zurück. Während dieser Zeit des Fastens entstand die Schrift "Band der 31 Tage", Sanjuichi-nichi no maki, die eine weitere wichtige Quelle für die Verehrung des Fuji darstellt.

In Japan sind alle Berge heilig. Im Winter sind sie, weil Aufenthaltsort der Berggottheiten, doppelt heilig und dürfen deshalb nicht bestiegen werden. Erst nach der Übersiedlung in die Reisfelder der Ebenen im Frühjahr, wird der Aufstieg freigegeben. Für den Fuji bedeutet dies, das die Zeremonie des yamabiraki , "Öffnen des Berges" am 1. Tag des 6. Monats stattfindet. Am 27. Tag des 7. Mondmonats (heute August) wird der Pfad wieder geschlossen. Die grosse Zeit der Fuji-Verehrung ist heute vorüber. In der grossen Zahl der Touristen, die den Berg besteigen, fallen die wenigen weissgekleideten Gestalten der Gläubigen kaum mehr auf.


Quelle: Internet; D. heiligsten Berge d. Welt, vfs



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