Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

OBEN
Heilige Berge
A

üdlich der heiligen Kailash-Manasarowar-Region erheben sich aus der tibetischen Hochfläche die fünf Gipfel der Gurla Mandhata. Dieses gewaltige Gebirgsmassiv mit seinem langgezogenen Gipfelkamm, ist mit einer Höhe von 7730 m der dritthöchste Berg Tibets.

Die Gurla Mandhata ist ein weiblicher Berg und gilt als weiblicher Gegenpol zum Kailash. Trotz seiner gewaltigen Ausmasse wird er aber an Spiritualität immer im Schatten des optisch wesentlich kleineren Kailash stehen. ("In seiner pittoresken Schönheit übertrifft der Kailas bei weitem den grossen Gurla oder jeden anderen Himalayaberg Indiens". Henry Strachey) (1)

Der indische Swami Pranavananda, der wohl beste Kenner dieser Region, umrundete zwischen 1928 und 1949 etliche Male Kailash und Manasarowar-See. In seinem wissenschaftlich-spirituellen Reiseführer "Kailas-Manasarovar" setzt er den Namen aus den tibetischen Wörtern "Go" für Haupt "lha" für Gott zusammen. Demnach bedeutet Golha oder auch Gorla bzw. Gurla "Haupt des Sangdul, der höchsten Schutzgottheit".

Dass Kailash und Gurla Mandhata im einem gewissen Zusammenhang stehen, lässt sich auch durch die berühmte Zauberschlacht zwischen Milarepa und dem Bön-Priester Naro Bönchung (Naro bon chun) erkennen. Nachdem Naro Bönchung gegen Milarepa den Wettstreit verloren hatte, bat der Bön-Priester um einen neuen Platz und Milarepa wies ihm die Gurla Mandhata zu. An anderer Stelle (2), ist dieser Berg der Bönri (Pon ri), nördlich des Manasarovar-Sees zwischen Barkha (Parkha)


Gurla Mandhata, im
Hintergrund der Kailash

und Huore, nicht zu verwechseln mit dem Kongpo Bönri, dem heiligsten aller Berge der Bön nahe Lhasa.

Für die hier lebenden Menschen hat Lhamo Yang Tschen, die lokale Göttin der Landwirtschaft, auf dem Berg ihre Wohnstatt. Sie sorgt für gute Ernten und ein Auskommen der Bevölkerung. Einer alten Prophezeiung nach, soll die Gurla Mandhata zu einem bedeutenden Wallfahrtsort werden: auch hier wird, wie beim Kailash, ein heiliger Mann kommen und seine Geheimnisse preisgeben.

Ein anderer Kenner dieser Region war der buddhistische Mönch Lama Anagarika Govinda. Er erkannte, dass sich die Gurla Mandhata-Kette "aus der Vogelperspektive in der Form einer immensen Swastika (Hakenkreuz) darstellt. Der breite zentrale Rücken des Bergmassivs ist mit einer soliden Eis-und Schneekappe bedeckt, die sich über etwa dreissig Kilometer erstreckt, während zwischen den Armen der Swastika Gletscherzungen herabfliessen". (3) Mit seinem Buch "Der Weg der weissen Wolken" hat er viel zu Anerkennung und Verständnis dieser Region, Tibets und des tibetischen Buddhismus beigetragen.

 
Namen

Swami Pranavananda nennt den Berg neben Gurla Mandhata in seinen Unterlagen auch Memo-Nani, der Engländer Henry Strachey bezeichnet ihn mit Momonangli. Weitere, in der gesprochenen Sprache ähnliche Bezeichnungen sind Memo Namgyal (Sohn des Sieges), Memo Dang Ay (Sie hat zwei Seiten), Memo Namgnyal und Naimonanyi .

(1) Gratzl, K., Mythos Berg, Hollinek
(2) Gruschke, A., D. hl. Stätten der Tibeter, Diederichs
(3) Lama Anagarika Govinda, Der Weg der weissen Wolken, Knaur

 

Quelle: Internet; Lama Anagarika Govinda, Der Weg der weissen Wolken, Knaur; Jonson, R. / Moran, K., Der heilige Berg Kailash, Bruckmann; Die heiligen Berge der Welt, Verlag für Sammler; Gruschke, A., Die heiligen Stätten der Tibeter, Diderichs; Gratzl, K, .Mythos Berg, Hollinek



OM MANI PADME HUM
OM! Juwel im Herzen des Lotus!HUM!

© emmet 4-2008

 

 

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