Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

OBEN
Heilige Berge
Kailash

Kailash
KailashA
Übersicht

Einführung
Der Kailash als Zentrum eines "natürlichen" Mandalas
Der Kailash als Weltenberg Meru
"Der kostbare See" - Der Manasarowar-See
Der "hinduistische" Kailash
Der Kailash und die Jain-Religion
Der Kailash und der tibetische Buddhismus
Tise - der heilige Berg des Bön
Die Kora

 

»Schon lange hatten wir keine Gletscher mehr gesehen, doch als wir uns dem Tasamhaus von Barka näherten, lag eine ganze Kette im Sonnenlicht strahlend da. In der Landschaft dominierend war der 7730 m hohe Gurla Mandhata; viel weniger auffallend, aber um so berühmter war der 6700 m hohe heilige Berg Kailas. Einsam stand er in seiner majestätischen Schönheit vor uns, isoliert von der übrigen Himalayakette. Unsere Tibeter warfen sich bei seinem Anblick zu Boden und sprachen Gebete.«
Heinrich Harrer

uch heute noch dürfte es jedem Wanderer ergehen, wie 1944 Heinrich Harrer. Das Wandern angesichts dieses Berges ist kein einfacher Fussmarsch: hier macht man Bekanntschaft mit der Geschichte, der Landschaft, dem Glauben Asiens - und sich selbst.

In alten buddhistischen Schriften und Sanskrit-Texten wird der Berg Kailash als Meru, "Nabel der Welt" bezeichnet. Über Jahrtausende inspirierte er die Menschen und ist für Millionen von Hindus, Buddhisten, Jains und Anhänger der Bön-Religion der Mittelpunkt des Universums. Hier verwischen die Religionsunterschiede, denn jeder Pilger gehört zu der grossen Gemeinschaft von Wahrheitssuchern, die nach der selben höheren Wirklichkeit suchen und die letztendlich auch für alle gleich ist. Seit viertausend Jahren ist er mythischer Mittelpunkt und die wohl älteste und erhabenste Wallfahrtsstätte unseres Planeten.
Mit einer Höhe von 6714 m ist der Kailash nicht der höchste Berg, aber gleichwohl scheinen alle Bergriesen in dieser Hochgebirgslandschaft vor ihm , den Mahameru, dem "Grossen Weltenberg", zurückzutreten. Einem alten Mythos nach sollen die Berge der unmittelbaren Umgebung, Heimstatt von fünfhundert heiligen buddhistischen Mönchen sein.

Unweit des Kailash, zu Füssen des Gurla Mandhata (7728 m), liegen der mythenbestzte und ebenfalls heilige Manasarovar-See und , nur durch einen Hügel

getrennt, der See Raskas-Tal, der von nicht minderer mythologischer Bedeutung ist. Diese beiden Seen bilden mit einer durchschnittlichen Höhe von 4550 m die höchsten Süsswasserreservoirs unseres heimischen Planeten.

Luftaufnahme des Kailash-Gebietes
Luftaufname des Kailash-Gebiets
von Norden

Seit tausenden von Jahren ist der heilige Berg Kailash eine unermessliche Quelle der Inspiration, zu der sich eine zahllose Schar von Heiligen, Weisen, Yogis und Eremiten hingezogen fühlten, um in seinem Schatten die Erleuchtung zu finden. Für die Pilger ist es die Parikrama oder Kora (Khora), die pilgermässige Umrundung, die ihnen die spirituelle Reinigung und die letztendliche Erlösung bringen soll.

In weiteren Umkreis entspringen vier der grössten Flüsse Asiens, entsprechend den vier Himmelsrichtungen, in die der Kailash blickt: im Osten der Brahmaputra oder Tsangpo, der Karnali im Süden, der Sutlej im Westen und der Indus im Norden.

Dorje
Einführung

Die Menschen Tibets spürten in der Landschaft schon immer die Gegenwart höherer, mächtiger Kräfte. Sie wussten, dass ihr Land von unsichtbaren Göttern, Lokalgottheiten, Geistern und Dämonen bewohnt war, die Berge, Pässe und Seen bewachten und sogar in ihren Häusern wohnten.

So hatte jede Region einen Hauptgott oder Bergahnen, der sich auf einem bestimmten Berg niederliess und ihm dadurch besondere Sakraliät verlieh. Diese Götterberge als Mittelpunkte des frühtibetischen Glaubens, thronten über all diesen Wesen und Plätzen. Sie waren die "Seele" des Landes, sorgten für das Wohl der Menschen, auf sie stiegen in den alten Überlieferungen die ersten Könige Tibets herab. Aber ein Berg war mächtiger als die übrigen Götterberge und entwickelte sich zum Zentrum ihres Glaubens: die Kang Tise oder Kailash genannte Schneepyramide. Sie war der Mittelpunkt des Landes Zhang Zhung (auch Schang-Schung oder Schangschung), dessen Einwohner Anhänger einer als Bön (Bon) bekannten Religion waren, das den gesamten Westen Tibets einnahm.

Milarepa
Milarepa

Hier stieg ihr Religionsstifter Tönpa Shenrab Miwoche (Mibo) aus dem Paradies über den Kailash auf die Erde. Durch Auftreten des buddhistischen heiligen Milarepa und seiner Siege über die auf den Bergen lebenden Bön-Gottheiten, schwand der Einfluss der Bön-Religion; am Kailash besiegte Milarepa in einer berühmten Zauberschlacht den Bön-Schamanen Naro Bön Tschun (Naro Bönchung). Mit ihm geriet der Berg in den Einfluss der buddhistischen Kagyü-Schule und der Buddhismus dominierte nun im Leben der Tibeter; auf dem Kailash residierte nun die tantrische Gottheit Demchok (Demtschog) , "einer von erhabener Wonne".

Die Kagyü-Mönche gründeten am Kailash undManasarowar-See Klöster und das Gebiet entwickelte sich zu einem Zentrum der Meditation und Spiritualität; die ersten buddhistischen Pilger kamen.

Die Hindus hatten die Kailash-Region, insbesondere den Manasarowar-See, schon vor zweitausend Jahren "erschlossen". Für sie ist der ganze Himalaya die Verkörperung des Göttlichen, heisst es doch schon im Ramayana: " Es gibt kein Gebirge wie Himaltschal (Himalaya), denn in ihm sind Kailash und Manasarowar. Wie der Tau der Morgensonne , so werden die Sünden der Menschheit durch den Anblick Himaltschals getilgt."

Die ersten Europäer kamen erst im achtzehnten Jahrhundert. Wahrscheinlich war es im Winter 1715 der Jesuitenmissionar Ippolitio Desideri, der zwar auf seinem Weg nach Lhasa den Manasarowar-See sah, den Kailash aber nur wolkenverhangen vorfand.

Sven Hedin
Sven Hedin

Hundert Jahre später "entdeckten" dann Abenteurer, englische "Sportsmen", Forscher und Entdecker die Region, unter ihnen 1915 der schwedische Forscher Sven Hedin. Ein Umschreitung gelang 1935 dem als Pilger verkleideten Östereicher Herbert Tichy, anderen, wie Heinrich Harrer, blieb dieses Privileg verwehrt. Aber auch ernsthafte Pilger näherten sich dem Kailash. Um 1900 war es der japanische Buddhistenmönch Ekai Kawaguchi, der sich als Chinese ausgab und

Lama Anagarika Govinda
Lama Anagarika Govinda

1948 begab sich Lama Anagarika Govinda auf seinen berühmten "Weg der weissen Wolken". Der Inder Swami Paranavananda umrundete zwischen 1928 und 1949 etliche Male Kailash und Manasarowar-See und schrieb einen wissenschaftlich-spirituellen Reiseführer.

1949 überfiel die chinesische Armee Tibet, verwüstete das Land und schloss die Grenzen. Erst ab 1981 begann sich die harte chinesische Tibetpolitik zu lockern und erste Touristen kamen wieder ins Land.

Und heute? Im Zeitalter der Fun-Sportarten und des globalen Tourismus, ist natürlich auch der Kailash zum Objekt jener fraglichen Begierde geworden, die mit Geld alles möglich machen will. So bieten immer mehr kommerzielle Reiseveranstalter immer mehr "Pilgern" die Möglichkeit zu einer prestigeträchtigen Reise zum Kailash (DAV-Summit-Cub € 5690.00). Diese neuen Pilger sind in der Regel betuchte westliche Touristen, auf der Suche nach einer aussergewöhnliche Trekkingtour, "auf den Pfaden der Erleuchtung" ins "Zentrum des kosmischen Mandalas", allerdings im Land Cruisers und Wohnzelt. Die Chinesen freuts, ist der Kailash doch so ein attraktiver Devisenbringer.

Übrigens: 2001 wollte der spanische Bergsteiger Jesús Martinez Novaz, wie 1985 auch Reinhold Messner (1), den Kailash sogar besteigen: Er deklarierte kurzerhand seine geplante Kailash-Besteigung als "politische Demonstration gegen Umweltzerstörung und für größeres globales Bewusstsein". Erst weltweite Proteste von Hindus, Buddhisten, der tibetischen Exilregierung in Indien und ungezählten Unterstützern (einschließlich berühmter Bergsteiger) brachten Novaz von seinem Vorhaben ab.

Schreibweisen

Kailash, Kailasa, Kailasah, Kailas (ind. / sansk.)

Namen / Bezeichnungen

Tibetisch / Tibetisch-Bön

Tise / Ti se / Tikse / Kang Rinpoche / Kang Tise / Tise Kang -------- "Schneepyramide" / "Kostbarer Schneeberg"/ "Schneejuwel"

auch: Te se / Te se gangs / gangs rin po che

Bön

Yundrung Gutseg (Gut Tseg) / Gutse ----- "Neun übereinander geschichtete Svastikas"

Jain

Ashtapada / Astapada ---- "Achtfüssler" / "Spinne"

Chinesisch

Gangdise Shan / Kangrinboqe Feng

Übersicht

Einführung
Der Kailash als Zentrum eines "natürlichen" Mandalas
Der Kailash als Weltenberg Meru
"Der kostbare See" - Der Manasarowar-See
Der "hinduistische" Kailash
Der Kailash und die Jain-Religion
Der Kailash und der tibetische Buddhismus
Tise - der heilige Berg des Bön
Die Kora

Weltberg - Schöpfungsmythos der Naxi

Quelle: Internet; Lama Anagarika Govinda, Der Weg der weissen Wolken, Knaur; Jonson, R. / Moran, K., Der heilige Berg Kailash, Bruckmann; Die heiligen Berge der Welt, Verlag für Sammler; Gruschke, A., Die heiligen Stätten der Tibeter, Diderichs; Bätz, F., Berg der Götter, Weishaupt; Lexikon des Buddhismus, Herder; Gratzl, K, .Mythos Berg, Hollinek

(1) Tüting, Ludmilla: Heilige Berge, Nr. 27, Juli 2002, (tourism-watch.de)



Das BUCH zun Thema
 

Berg der Götter. Religionen am Kailash
- Franz Bätz -
In vier großen religiösen Traditionen Asiens - im Hinduismus, Jainismus, Buddhismus und in der Bön-Religion - gilt der heilige Berg Kailash in West-Tibet gleichermaßen als erhabenster Ort spiritueller Inspiration. Das Buch beschreibt die Stellung des heiligen Berges innerhalb der mystischen Kosmografie des Alten Indiens und Tibets.
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LINK zun Thema

Eine wunderschöne Webseite mit einem Reisebericht über eine Reise zum Kailash im Juni-Juli 2002.
Link:Reiseberichte

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Quelle: Internet; Lama Anagarika Govinda, Der Weg der weissen Wolken, Knaur; Jonson, R. / Moran, K., Der heilige Berg Kailash, Bruckmann; Die heiligen Berge der Welt, Verlag für Sammler; Gruschke, A., Die heiligen Stätten der Tibeter, Diderichs; Bätz, F., Berg der Götter, Weishaupt; Lexikon des Buddhismus, Herder; Gratzl, K, .Mythos Berg, Hollinek

 

OM MANI PADME HUM
OM! Juwel im Herzen des Lotus!HUM!

© emmet -8 - 2008

 

 

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