 Der Geist des Ortes
| | |  OBEN | | | Der Kailash als Zentrum eines natürlichen Mandalas | | In der buddhistischen Tradition des Weltenberggedankens ist der Kailash das Zentrum eines von der Natur geschaffenen riesigen vollendeten Mandalas , in dem sowohl die Seen und Flüsse, als auch die anderen landschaftlichen Besonderheiten einen Platz einnehmen. | | Hier vermengt sich das Natürliche mit dem Wunderbaren, bis beide Unterschiede miteinander verschmelzen und nicht mehr zu erkennen sind. So wird ein unscheinbares Felsloch zu Milarepas Essschale, ein Wasserfall zum Schweif von Gesars Pferd, alles hat in diesem wunderbaren Mandala seinen Platz. | | Mandala bedeutet schlicht "Kreis", "Ring" oder auch "Scheibe". Im ursprünglichen Sinn wurde das Mandala im Alten Indien ( um 1000 v. Chr.) zur Veranschaulichung der Darstellung der Welt verwendet. | | Dabei sah man die Erde als eine kreisförmige Scheibe, von der konzentrisch "Ringozeane" und "Ringkontinente" zum Mittelpunkt mit dem Weltenberg Meru, als kosmische Achse, führten. Mit einer inhaltlichen Veränderung ist das Mandala auch in den Buddhismus eingeflossen und wurde hier zu einem geometrisch aufgebauten Gebilde, das dem Meditierenden als Visualisationshilfe dient. Mit einem Mandala wird das Sich-Vorstellen der Gottheiten (Buddhas) verbessert und der Meditierende kann so leichter auf dem Weg der geistigen Vervollkommnung voranschreiten. |  Yamantaka Mandala | | Die tantrischen Tibeter bezeichnen das "Kailash- Mandala" auch als Mandala des Demchok . Im Zentrum dieses Mandalas befindet sich der Kailash, auf dem Demchok in einem unsichtbaren Pagodenpalast residiert. Die tantrische Gottheit Demchok, "Einer von erhabener Wonne", ist die personifizierte Form des bedeutenden Cakrasamvara-Tantras (Samvara). Es dient dazu, den Geist des "Klaren Lichtes" zu entfalten und zu meistern und wird in allen vier Hauptschulen des Tibetischen Buddhismus gelehrt. Demchok selbst wird hauptsächlich als sich in sexueller Vereinigung mit der Yogini Dorje Pagmo (Vajravarhi) befindliche, vierköpfige und zwölfarmige Gottheit dargestellt. | | In diesem Mandala bildet der wie eine Pyramide geformte Kailash das Zentrum bzw. eine Achse. Er ist so ausgerichtet, das jede seiner annähernd gleichmässig geformten vier Seiten in jeweils eine andere Himmelsrichtung blickt. Diesen Himmelsrichtungen lassen sich Dhyani-Buddhas bzw. Meditantions Buddhas zuordnen. | | So wird die Landschaft im Norden Amogasiddhi zugeordnet, im Osten dem Asksobya, der Süden dem Ratnasambhava und letztendlich der Westen dem Amitabha; im Zentrum befindet sich Vairocana. Jeder Dhyani- Buddha hat eine ihm eigene Körperfarbe und sitzt auf einem Thron, der von einem bestimmten "Vehikeltier" getragen wird, das wiederum den am Kailash entspringenden Flüssen zugeordnet werden kann. | | Die in jede Himmelsrichtung entspringenden Flüsse am Kailash lassen sich jetzt wiederum über die Reittiere den Dhyani-Buddhas ("Fünf Tathagatas") zuordnen: Im Osten entspringt der Brahmaputra oder Tsangpo als "Fluss, der aus dem Munde eines Pferdes fliesst", im Süden der Karnali als "Fluss aus dem Pfauenschnabel" (Magja Khamba), im Westen der Sutlej als "Fluss, der aus dem Munde eines Elefanten fliesst" (Langchen Khamba) und im Norden der Indus als "Fluss, der aus dem Munde eines Löwen fliesst" (Sengge Khamba). Alten buddhistischen Schriften zufolge bezeugen die Wasser der Flüsse bevor sie auf ihre Reise gehen, dem Kailash durch siebenmaliges Umrunden, entsprechend der Kora, ihre Ehrerbietung. | | Grafisch zusammengefasst präsentiert sich das "Mandala der Natur" um den Kailas in Überlagerung mit den Dhyani- Buddhas und ihren Farben und Elementen wie folgt: |  | | | NORDEN Amoghasiddhi LUFT freie Handlungsweise GRÜN Löwe Indus "Fluss der aus dem Munde eines Löwen fliesst" (Sengge Khamba) | | WESTEN Amitabha FEUER Meditation ROT Elefant Sutlej "Fluss, der aus dem Munde eines Elefanten fliesst" (Langchen Khamba) | ZENTRUM Vairocana Garuda Äther / Raum WEISS KAILASH | OSTEN Aksobya WASSER Geistiges Erwachen BLAU Pferd Brahmaputra / Tsangpo "Fluss, der aus dem Munde eines Pferdes fliesst"(Tachog Khamba) | | | SÜDEN Ratnasambhava ERDE Entschluss GELB Pfau Karnali / Ganges "Fluss aus dem Pfauenschnabel" (Magja Khamba) | |  | | "Und da unser psycho-physischer Organismus", so Lama Angarika Govinda, " ein mikrokosmisches Abbild des Universums dar-stellt, entspricht Meru der Wirbelsäule beziehungsweise dem Rückenmark in unserem Nervensystem. Und ebenso wie die verschiedenen Bewußtseinszentren (skt. cakra) mit dem Rückenmark der Wirbelsäule (skt. meru danda) ve-bunden sind, von dem sie wie vielblättrige Lotusblüten abzweigen, in ähnlicher Weise bildet der Berg Meru die Achse der verschiedenen überweltlichen Bereiche. | | Und so wie der psycho-physische Mikrokosmos des Menschen vom höchsten Bewußtseinszentrum, dem "tausendblättrigen Lotus" gekrönt ist, in gleicher Weise ist der Weltberg Meru, bzw. Kailash, der sein irdisches Gegenstück ist, von dem unsichtbaren Tempel der höchsten transzendenten Mächte überwölbt, die jedem Pilger in der jeweiligen Form erscheinen, die ihm die höchste Wirklichkeit symbolisiert. In dieser Weise ist Kailash für Hindus der Sitz Shivas, während er für die Buddhisten ein riesiges Mandala von Dhyani-Buddhas und -Bodhisattvas darstellt, wie dies in dem berühmten Demchog Tantra, dem "Mandala der höchsten Glückseligkeit" beschrieben wird." (1) | | |  | | (1) Lama Anagarika Govinda, Der Weg der weissen Wolken, Knaur |  | | Übersicht | | Einführung Der Kailash als Zentrum eines "natürlichen" Mandalas Der Kailash als Weltenberg Meru "Der kostbare See" - Der Manasarowar-See Der "hinduistische" Kailash Der Kailash und die Jain-Religion Der Kailash und der tibetische Buddhismus Tise - der heilige Berg des Bön Die Kora |  | | Quelle: Internet; Lama Anagarika Govinda, Der Weg der weissen Wolken, Knaur; Jonson, R. / Moran, K., Der heilige Berg Kailash, Bruckmann; Die heiligen Berge der Welt, Verlag für Sammler; Gruschke, A., Die heiligen Stätten der Tibeter, Diderichs; Bätz, F., Berg der Götter, Weishaupt; Lexikon des Buddhismus, Herder; Gratzl, K, .Mythos Berg, Hollinek |  | |