 Der Geist des Ortes
| | |  OBEN | |  | 
|  | A |  | | | | "Der Berg Kailash, oh König, hat die Ausdehnung von sechshundert Yojanas gewiss, auf ihm kommen alle Götter und Asuras zusammen, oh Bharata. Oh Kunti-Sohn, unzählig sind auf ihm die Yaksas (Halbgötter), Raksasas (Riesen), Kimnaras (himmlische Musikanten), Nagas, Suparnas, Gandharvas, in der Umgebung Kuberas Palastes." Mahabharata
|  | | Der Kailash und der Hinduismus | | | Als Mahameru, "Grosser Weltberg", wird der Kailash in der indischen Mythologie bezeichnet und findet im Mahabharata, dem grossen volkstümlichen indischen Heldenepos, erstmals Erwähnung. Hier steht er als goldener Berg Meru und Erdmittelpunkt inmitten eines Weltmeeres. In dieser gigantischen Sammlung von 106.000 Versen, deren Niederschrift sich über acht Jahrhunderte (4. Jahrh. v. Chr. - 4. Jahrh. N. Chr.) hinstreckte, wird der Bruderkampf zweier Fürstenhäuser, neben religiösen Dichtungen und Göttersagen, beschrieben. | | Hier wird erwähnt, dass Vyasas, der "Ordner" der Vedas, einer noch älteren Schrift der indischen Literatur (z.B. die Rig-Veda, etwa 1500 - 1000 v. Chr.), den Kailash besucht haben soll. Nach der derzeitigen Lehrmeinung nimmt man an, dass der Berg Kailash im alten Indien schon vor 3000 Jahren eine religiöse und mythologische Bedeutung gehabt haben muss. | | Der Zusammenhang zwischen Meru und Kailash wird erstmals im Samkhya-System (4. Jahrh. v. Chr.) hergestellt, hier findet sich quasi die kosmologische Begründung des Kailash als Meru. Demnach entwickelte sich aus Geist und Materie ein Welten-Ei, das sieben Welten, Kontinenten und Meere enthält. In der Mitte befindet sich, auf der "Rosenapfelbaum-Insel" Jambudvipa, der Weltenberg Meru, bestehend aus Silber, Beryll, Kristall und Gold. Eine ausführliche Beschreibung des Meru finden Sie unter: Der Kailash als Weltenberg Meru. Im Rahmen dieses Lehr-Sytems, hier ist sich die Wissenschaft weitgehend einig, lässt sich der Weltenberg Meru mit dem Kailash identifizieren. | | Nach alten Quellen, insbesondere der Mahabharata, müssen den Kailash eine Vielzahl an Göttern und Heldengesalten aufgesucht haben. Neben Vaisravana, auch Kubera genannt, dem Gott des Reichtums, sollen auch die Pandava-Fürsten während ihrer Verbannung auf dem Kailash gewesen sein; selbst die Wunschkuh Kamadhenu übte sich auf dem Gipfel in Askese. Alle bereicherten durch ihre Anwesenheit die spirituelle Kraft des Kailash. |  | | Aber ein Gott thronte im Kailash-Pantheon über allen anderen: Shiva (Siva) mit seiner Gemahlin Parvati. Shiva (sansk.) bedeutet wörtlich übersetzt "der Gütige, der Freundlichste". Mit Brahma und Vishnu ist Shiva die dritte Gottheit der hinduistischen Götter-Trinität und verkörpert den friedvoll milden Aspekt als Erhalter und Helfer, aber gleichzeitig auch den zornvoll zerstörenden. |  Shiva in Meditation | | Begleitet wird Shiva in der Regel durch seine Gemahlin Parvati (Shakti, Kali), in vielen alten indischen Texten wird die Verbindung zwischen beiden beschrieben. Insbesondere die Puranas beschreiben viele Episoden, in denen der Kailash als Wohnstatt Shivas in Erscheinung tritt. | | Einst war Daska, so berichten die Puranas, über das Verhalten Shivas verärgert, der auf Leichenstätten hausen und aus Menschenschädeln trinkend, nicht zum heiligen Pferdeopfer rief. | | Darüber erzürnte sich Shiva und liess aus zwei seiner Haupthaaren Ungeheuer entstehen, die Daska töteten und den Opferplatz zerstörten. | | Über das ungebührliche Verhalten ihres Gatten, nahm sich Sati, seine beschämte Gattin das Leben und wurde als Tochter des Himavat, der Inkarnation des Himalaya, wiedergeboren. In tiefer Versenkung und Trauer über den Verlust seiner Gattin, weilte Shiva nun am Kailash, zu dem ihm Parvati folgte, dort durch Askese die Liebe des Gottes gewann und von nun an als Gemahlin an seiner Seite auf dem Kailash in einem Wolkenpalast eine neue Wohnstatt fand. | | Im Zusammenhang mit Shivas Phallus-Kult, wurde auch der Kailash als Shivalingam (Phallus Shivas) verehrt und symbolisiert die unerschütterliche und absolute Bewusstseinskraft des Universums. Als Objekte der Verehrung können |  Shivalingam | neben handgefornten Phalli auch natürliche wie Steine oder eben Berge, wie der Kailash oder auch der Shivling im Gahrwal-Himal, dienen. | | Der Shivalingam-Kult ist auch Bestandteil der Tantras. Hier bilden Bewusstsein, Shiva, und latente Kraft, Shakti (Sakti), eine untrennbare Einheit, symbolisiert durch einen Lingam für Shiva in sexueller Vereinigung mit der Yoni, dem weiblichen Geschlechtsorgan (Shiva-Shakti). Dieser Dualismus, Bewusstsein - Materie (Purusa-Prakriti), soll durch Riten zu einer letztendlichen Einheit überwunden werden. | | An besonderen Festtagen wird der Shivalingam im Rahmen einer Puja (Opferzermonie) mit Butter und Milch begossen und Reis, Blumen und Süssigkeiten bestreut. Durch Berühren des Lingam mit Stirn oder Hand wird seine Segenskraft entgegengennommen. | | So ist der heilige Berg Kailash, mit seiner einem Phallus ähnelnden Gestalt, das tantrische Symbol für das absolute Bewusstsein. Die Vereinigung findet rituell in der rituellen Umrundung des Kailash statt. | | | | Übersicht | | Einführung Der Kailash als Zentrum eines "natürlichen" Mandalas Der Kailash als Weltenberg Meru "Der kostbare See" - Der Manasarowar-See Der "hinduistische" Kailash Der Kailash und die Jain-Religion Der Kailash und der tibetische Buddhismus Tise - der heilige Berg des Bön Die Kora |  | | Quelle: Internet; Lama Anagarika Govinda, Der Weg der weissen Wolken, Knaur; Jonson, R. / Moran, K., Der heilige Berg Kailash, Bruckmann; Die heiligen Berge der Welt, Verlag für Sammler; Gruschke, A., Die heiligen Stätten der Tibeter, Diderichs; Bätz, F., Berg der Götter, Weishaupt; Lexikon des Buddhismus, Herder; Gratzl, K, .Mythos Berg, Hollinek |  | |