 Der Geist des Ortes
| | |  OBEN | | | Der Kailash und die Jain-Religion | | Neben Hinduismus und Buddhismus ist der Jainismus die dritte grosse Religion, die der indische Subkontinent hervorgebracht hat. Als eigentlicher Begründer gilt der als Tirthankara verehrte Adelige Mahavira (Mahâvîra) (um 750 v. Chr.), der allerdings 23 Vorgänger hatte, von denen nur noch Parshva (Parsva) im 8. v. Chr. historisch zu belegen ist. | | In vielen Punkten gibt es zwischen Jainismus und den anderen beiden indischen Religionen grosse Parallelitäten. So steht im Mittelpunkt der Jain-Metaphysik ebenfalls das Gesetz von Ursache und Wirkung, das Karma, ferner gibt es Übereinstimmungen innerhalb der Kosmologie sowie der Weltenbeschreibung. |  Mahavira, der 23. Tirthankara | | Auch für die Jainas liegt auf einer kreisförmigen Erdscheibe im Zentrum der Berg Meru, mit anderem Namen auch Mandara, um den sich der Kontinent Jambudvipa mit gewaltigen Gebirgszügen kreisförmig ausbreitet. | | "Außerdem trägt der Berg Meru in der Jain-Tradition", so Andrea Loseris, " einen zweiten Namen: Mandara, eine Bezeichnung, die in einem völlig anderen Zusammenhang aus einem hinduistischen Schöpfungsmythos bekannt ist. | | Diesem Mythos nach mußte die Welt nach zyklisch auftretenden Zerstörungen neu geschaffen werden, was vor allem durch die "Quirlung des Milchmeeres" (amrta-manthana) erreicht wurde. Denn die Welt ist gefüllt mit Lebenssaft, der | | gequirlt werden muß, bis die Milch des Lebens "gebuttert" ist und dabei einen einen Unsterblichkeitstrank absondert. Jenes Milchmeer ist nun von drei Bergen umgeben, im Zentrum liegt der Berg Meru, der Sitz der Götter. Als Quirlstab dient der Berg Mandara und als Quirlstrick um den Berg geschlungen die Weltenschlange. An einer Seite ziehen die Götter, an der anderen ihre Feinde, die Asuras, die damit den Berg in Kreiselbewegung versetzen. Die Drehung des Berges Mandara als Quirlstab versinnbildlicht dabei die Dyna-mik des kosmischen Lebens. | | Die Frage, warum die Jainas den Berg Meru mit Mandara gleichsetzen, muß aus mangelnder Quelleneinsicht vorläufig offenbleiben, nicht zuletzt deshalb, weil die Forschung allgemein noch längst nicht alle Bestandteile der Jain-Überlieferung aufzugliedern vermochte. | | Ebenso ist aus den Quellen nicht eindeutig ersichtlich, ob für die Jainas der Weltberg (Mandara) mit dem heiligen Berg Kailasa identisch ist. Der Name Kailasa (Astapada) tritt in den Lebensbeschreibungen der Jinas auf und ist insofern - auch ohne konkreten Nachweis über seine Identifikation mit dem "Weltberg"- tirtha, als heiliger Pilgerort, von nicht geringerer Bedeutung für die Jain-Tradition." (1) | | | | | | Im religiösen Leben der Jainas spielen die Tirthankaras eine wesentliche Rolle. Die Orte, an denen sie zur Welt kamen oder starben, den Tirthas, gelten für die Jainas als heilig und sind zu wichtigen Wallfahrtsorten geworden. Auch der Ashtapada ist so ein besonderer Ort. |  Parshva, der 23. Tirthankara
| Ihr erster Tirthankara Risabha, erlangte auf dem Ashtapada die Erleuchtung. In den umfangreichen Heiligenlegenden mit ihren Beschreibungen von Helden und Heiligen aller Weltperioden, befindet sich im Abschnitt über das beste aller Zeitalter, Susmsa-Susmsa, auch die Biographie des Tirthankara Risabha. | | Die Berichte über die ersten Tirthankaras haben eine sagenhafte Färbung und sprengen in Inhalt und Dimension unseren heutigen Horizont. So soll der erste Tirthankara Risabha die unglaubliche Grösse von 500 Bogenlängen gehabt haben und 8.400.000 Purva-Jahre altgeworden sein. Geboren und aufgewachsen in Ayodhya, wurde er von den Menschen zum König bestimmt. Nach langer Regierungszeit beschloss er, der Welt zu entsagen, setzte seine hundert Söhne, die er mit zwei Frauen gezeugt hatte, als Erben ein und wurde Asket. Nachdem er den Zustand der Allwissenheit erreicht hatte, zog er predigend umher, zog sich dann aber mit 10.000 Mönchen auf den Ashtapada zurück, nach sechseinhalbtägigen Fasten starb er. | | Sein Sohn, Bharata, erbaute auf dem Berg zu Ehren seines Vaters einen Tempel und erreichte ebenfalls auf dem Ashtapada, nach ebenfalls fruchtbaren 8.400.000 Purva-Jahren die Erlösung. Anjita, der Zweite Tirthankara, übergab , bevor er der Welt entsagte, die Regentschaft seines Königreiches an seinen Neffen Sagara, der 60.000 Söhne zeugte. | | Diese gelangten einst mit einem grossen Herr zum Tempel des Bharata auf dem Ashtapada. Aus Angst vor der Zerstörung des Tempels durch die Verrohung der Sitten der Menschen, zogen die Brüder einen riesigen Graben um den Berg und füllten ihn mit dem Wasser des Ganges, was zu einer Überflutung der Wohnungen der Schlangengeister führte. Der darüber zornig gewordene Schlangenfürst verbrannte daraufhin die Brüder mit Hilfe seines Heeres zu Asche. Da der Ganges das ganze Land zu überschwemmen drohte, sandte Sagara Bhagiratha, der dem Ganges sein heutiges Bett gab und ins Meer führte. | | Die Jain erlangen nach ihrem Glauben durch die rituelle Umwanderung des Ashtapada grossen spirituellen Lohn. Bei Antritt der Pilgerfahrt bereitet sich der Jaina durch Fasten und Meditation auf die Reise vor und soll während ihrer Dauer nur einmal täglich essen, ausschliesslich zu Fuss gehen und auf dem Boden schlafen. |  |  | | (1) Loseries, Andrea, Kailasa, in: Die heiligsten Berge der Welt, Verlag f. Sammler |  | | Übersicht | | Einführung Der Kailash als Zentrum eines "natürlichen" Mandalas Der Kailash als Weltenberg Meru "Der kostbare See" - Der Manasarowar-See Der "hinduistische" Kailash Der Kailash und die Jain-Religion Der Kailash und der tibetische Buddhismus Tise - der heilige Berg des Bön Die Kora |  | | Quelle: Internet; Lama Anagarika Govinda, Der Weg der weissen Wolken, Knaur; Jonson, R. / Moran, K., Der heilige Berg Kailash, Bruckmann; Die heiligen Berge der Welt, Verlag für Sammler; Gruschke, A., Die heiligen Stätten der Tibeter, Diderichs; Bätz, F., Berg der Götter, Weishaupt; Lexikon des Buddhismus, Herder; Gratzl, K, .Mythos Berg, Hollinek |  | |