 Der Geist des Ortes
| | |  OBEN | | | Die Kora/Parikrama | | Die rituelle Umwanderung, die Kora oder Parikrama, des Kailash hat eine lange Tradition. Seit Jahrtausenden pilgern Gläubige, keine Mühsal scheuend, aus allen Himmelsrichtungen über verschneite, hohe Bergpässe oder zugigen Hochebenen. Sie alle werden von dem Wunsch getrieben, den Kailash zu umwandern | | Die Geschichte der "Entdeckung" der heutigen Kora ist , wie so oft , eine Mischung aus Mythos und Wahrheit. In den Jahren 1213 bis 1217 lebte der berühmte Mönch Gotsampa in einer Höhle am Kailash, was Fakt ist. Dem Mythos nach ist er aber ein Mönch, der zum Manasarovar-See pilgerte. Bei einer Rast im Lha Tschu-Tal wollte er Tee kochen, fand aber keinen Stein, auf der Gotsampa seinen Teekessel hätte setzen können, denn jeder Stein den er aufhob trug ein heiliges Mantra. Auf der Suche nach einem brauchbaren Stein verliess der Mönch sein Feuer und umrundete so, von Gottheiten in Tiergestalt geleitet, den Kailash. Darunter war auch eine Yakkuh, die in der Höhle von Dirapuk ihre wahre Natur als Dakini Senge Gompa, Hüterin der mystischen Eingebung, offenbarte. | | Die Parikrama wird in der Regel per pedes durchgeführt, wobei der Pilger Mantren spricht, die heiligen Silben des Avalokitesavara wiederholt: OM MANI PADME HUM. Die beste Wallfahrtszeit für den ca. fünfzig Kilometer langen Pilgerweg, ist von Mai bis September. | | Als verdienstvoller gilt allerdings die Umrundung durch Niederwerfen und Ausmessen mit der eigenen Körperlänge. Die Hände erheben sich , falten sich, werden zu Stirn, Mund und Herz geführt, es folgt das Niederknien und das sich in voller Länge auf den Boden strecken, bis Knie, Bauch, Brust, Mund, Stirne und die Hände den Boden berühren, danach aufstehen und den Vorgang, eine Körperlänge weiter, wiederholen, alles in tiefster Hingabe und Demut. Bei dieser Prostration ist der Körper mit einer Lederschürze bedeckt, die Hände tragen lederne Handschuhe. | | In der Regel wird versucht, mehr als eine Kora durchzuführen, drei ist eine verbreitete Zahl, und die ernsthaften unter den Pilgern umrunden den Berg dreizehn mal. Ein entschlossener Geher übrigens, kann die heilige Zahl von einhundertacht Umrundungen durchaus in zwei bis drei Jahren erreichen. |  Pilger | | Wichtiger als die Anzahl der Umwanderungen, egal ob eine oder hundertacht, ist die Einstellung: ohne Ehrfurcht, Glauben und Hingabe ist nichts gewonnen. Viele Pilger, insbesondere Tibeter, umwandern den Kailash in | | einem Nying-Kor, "Nachmittagsrunde", genannten Gewaltmarsch mit leichtem Gepäck in nur einem Tag, was leichter sein soll als die zwei- bis dreitägige Kora mit schwerem Gepäck. | | Diese rituelle Umwanderung ist Teil des buddhistischen Erleuchtungsdenkens, der auf der Grundlage von Mitleid, durch Niederwerfungen, Opfern, Almosen usw. möglichst viel an verdienstvollen Handlungen anhäuft. Der Gläubige erhofft sich in diesem Zusammenhang ein glücklicheres Los in seinem derzeitigen Leben oder eine bessere Inkarnation. Besonders fruchtbar scheint eine Kora um den Kailash für die Buddhisten zu sein, der Yogi gTsan pa rgya ras verspricht sogar die Buddhaschaft: "Hat man den Tise, den grossen Palast, ein einziges Mal umwandelt, sind die Befleckungen eines Lebens bereinigt. Ebenso, wenn man ihn nacheinander zehnmal umwandelt, sind die Befleckungen eines Kalpas bereinigt. Hat man ihn hundertmal umkreist, wird man nach Vollendung der zehn Zeichen und acht Vorzüge, in einem Leben die Buddhaschaft erlangen!" |  Kailash - Pilger
| Neben der äusseren Kora, die jeder Pilger begehen kann, gibt es auch eine innere Kora. Dieser "innerste Pfad, der den am höchsten entwickelten menschlichen und göttlichen Wesen vorbehalten bleibt", so ein tibetischer Wissenschaftler aus München, gehört zu den absoluten Tabus. Gläubige Pilger dürfen die Innere Kora nach 13maliger äußerer Umrundung des Kailash unternehmen. | | In der Regel wird die Umwanderung des Kailash von Buddhisten, Hindus und Jainas rechtsläufig durchgefürt. Bön-Pos hingegen vollziehen die Kora in der Regel traditionell als eine Linksumwanderung, | | die übrigens den Buddhisten bezüglich der Samvara-Praxis auch nicht fremd war. Durch den buddhistischen Einfluss führten die Bön-Pos dann ebenfalls eine Rechtsumwanderung ein. So ist die rechtsläufige Kora als "Runde des Mitleids", die linksläufige als "Runde der Weisheit" anzusehen. | | Auf die Bedeutung der rituellen Umschreitung weist schon die Vinaya hin, in der auf die Wichtigkeit von Umwanderung, Niederwerfung und Opferung hingewiesen wird, deren Wirksamkeit an religiösen Festtagen erheblich höher ist. Unerlässlich für die Wirksamkeit solch frommer Übungen, ist jedoch ein starker Glaube und eine aus tiefstem Herzen kommende Hingabe. Viele Yogis und gelehrte Meister haben in ihren Texten und Unterweisungen auf diese Art der religiösen Disziplin hingewiesen. | Die Sinnbildlichkeit der Kora ist augenfällig: alles kreist um einen Fixpunkt. Das Schliessen des grossen Kreises - der Kreis selbst ist ein Symbol des unteilbaren Göttlichen - ist eine Konzentration auf den Mittelpunkt, auf Gott oder das Göttliche, hier liegt der kosmische Punkt an dem alles beginnt und auch endet. Der Mensch ist damit Teil der Kreisbewegung, die sich um den Mittelpunkt des Universums bewegt. So wie Meru der Fixpunkt des Universums, des körperlosen ist, ist der Kailash sein Gegenstück auf der körperlichen Ebene. In dem der Pilger diese Ordnung durch sein Wandern nachvollzieht, wird dieser damit eins und wird vom herausgelösten Bruchstück zu einem Teil des Ganzen. Eine Pilgerschaft zum Kailash bedeutet deshalb auch immer eine Reise ins eigene ich, zu sich selbst. | | Übersicht | | Einführung Der Kailash als Zentrum eines "natürlichen" Mandalas Der Kailash als Weltenberg Meru "Der kostbare See" - Der Manasarowar-See Der "hinduistische" Kailash Der Kailash und die Jain-Religion Der Kailash und der tibetische Buddhismus Tise - der heilige Berg des Bön Die Kora |  | | Quelle: Internet; Lama Anagarika Govinda, Der Weg der weissen Wolken, Knaur; Jonson, R. / Moran, K., Der heilige Berg Kailash, Bruckmann; Die heiligen Berge der Welt, Verlag für Sammler; Gruschke, A., Die heiligen Stätten der Tibeter, Diderichs; Bätz, F., Berg der Götter, Weishaupt; Lexikon des Buddhismus, Herder; Gratzl, K, .Mythos Berg, Hollinek |  | |