Genius Loci
Der Geist des Ortes
 
 

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Heilige Berge
Kailash

Manasarovar-SeeA

Manasarovar-See

»Wann immer einer den Boden um den Manasarovar berührt oder wenn er in dem See badet, so wird er ins Paradies des Brahma eingehen; und der, der von seinen Wassern trinkt, wird in Shivas Himmel eingehen und wird von den Sünden von hundert Wiedergeburten erlöst werden.«
Ramayama

Der Kailash und der Manasarovar-See

Am Anfang war das Wasser. Bevor Mensch, Schöpfung und Götter existierten, war das alles bedeckende Urmeer. Aus dem Nichts warf ein gewaltiger Orkan diesen Ozean zu gewaltigen Wellenbergen auf und die Wellen wurden, so wie Rahm auf der Milch eindickt, zu Erde, zu den gewaltigen Götterbergen, die am Nabel der neuen Welt heranwuchsen.

Dieser alte Mythos wurzelt in geologischen Tatsachen: Vor ca. vierzig Millionen Jahren war das, was wir heute Himalaya nennen, Meeresboden, unter dem tropischen Tethysmeer. Dort wo heute Berge aufragen, wo sich der Kailash befindet, schwammen Fische, wuchsen Wasserpflanzen. Der indische Subkontinent begann, sich gegen und unter die tibetische Landmasse zu schieben, die Gesteinsmassen wurden übereinandergeschoben und der Himalaya begannn zu wachsen. Der Meeresboden des Tethysmeers entspricht dem heutige Himalaya und Reste des einstigen Meeres sind in einer Vielzahl an Salzseen in der Tschang Tang-Ebene erhalten geblieben.

Einer von ihnen ist der Manasarovar-See. Die Tibeter nennen ihn Tso Rinpotsche, " Der kostbare See" oder Tso Mapham, Mapam Yu Tso, "Der unbesiegte See".

Im alten Tibet traten naturverbundene Gottheiten auch als Götterpaar auf, und komplettierten eine Region in der kosmologischen Ordnung. So sind Berg und See, die männliche Berggottheit und die weibliche Seegottheit, miteinander verbunden. Ursprünglich standen diese Polaritäten für das mythische Urahnenpaar, die den Ahnen für die Region hervorbrachten. Der See ist das weibliche Pedant zum männlichen des Berges. Die runde Gestalt des Sees symbolisiert die Sonne und damit auch Wärme- Bewusstsein und Licht -Erleuchtung.

Für die Hindus ist der Manasarovar-See, geboren aus dem Geist Brahmas, einer der ältesten und heiligsten Pilgerorte. Ein alter Mythos aus vorvedischer Zeit berichtet von zwölf Rischis, die sich in dieses abgelegen Land begaben um zu meditieren und mit einer wunderbaren Vision Shivas und Parvatis belohnt wurden. Den Rischis fehlte jedoch eine Möglichkeit, die den Hindus vorgeschriebenen Waschungen vorzunehmen. Sie beteten zu Brahma und der Gott erschuf den Manasarovar-See. "Dieser See wurde aus Brahmas Geist geboren: Dort wohnen auch Maha Dew und alle Götter ", so heisst es im Ramayana.

Bad im Manasarovar-See
Hinduistischer Pilger nimmt
ein reinigendes Bad im
Manasarovar-See

Und so wie das männliche des Kailash im weiblichen des Manasarovar-Sees seinen Widerpart findet, so findet das Bewusstsein sein Gegenüber im Unbewussten. Dafür steht der halbmondförmige See Raskas Tal, der das mondhafte, unterbewusste, die Kräfte der Finsternis, symbolisiert. Alte hinduistische

Schriften bemerken, der Pilger solle nur einen Blick in seine Richtung werfen, die ihm innewohnenden schädlichen Kräfte seien zu stark.

So scheinen auch ihre Namen kein Zufall zu sein, denn "Manas" steht für "Geist" bzw. "Bewusstsein" und "Rakas" für Dämon. Selbst das Wetter scheint diese Aspekte zu unterstreichen, das am "solaren" Manasarovar-See heiter ist, wogegen der "lunare" Raskas Tal als aufgewühlt, mit einer unheimliche Atmosphäre beschrieben wird.

Kailash - Manasarovar-See
Thangka der Kailash - Manasarovar - Region

Beide Seen bildeten einst eine Einheit und sind heute durch einen Kanal, Ganga Chu, miteinander verbunden. Er führt nur in feuchten Jahren Wasser, was für die Tibeter als gutes Omen gilt. Seit Mitte der achtziger Jahre, nach der schlimmsten Zeit der Kulturrevolution, ist er wieder wasserreich - hoffentlich haben die Tibeter recht! Im dem Kloster Ji`u Gompa (Chiu Gompa), oberhalb des Ganga Chu, verbrachte Guru Rinpoche die letzten sieben Tage seines Lebens.

Dem Manasarovar-See kommt in der buddhistischen und hinduistischen Kosmologie eine zentrale Stellung zu und wird in der Regel in

die Kailash-Kora mit integriert - wogegen der Raskas Tal ausgelassen wird. Das reinigende Bad im Manasarovar-See nehmen nur die Hindus, soll doch das vollständige Eintauchen in den See nach ihrem Glauben die Inkarnation als Gott sichern. Der buddhistische Gläubige entnimmt dem See lediglich etwas Wasser um es zu trinken.

Übersicht

Einführung
Der Kailash als Zentrum eines "natürlichen" Mandalas
Der Kailash als Weltenberg Meru
"Der kostbare See" - Der Manasarowar-See
Der "hinduistische" Kailash
Der Kailash und die Jain-Religion
Der Kailash und der tibetische Buddhismus
Tise - der heilige Berg des Bön
Die Kora

Quelle: Internet; Lama Anagarika Govinda, Der Weg der weissen Wolken, Knaur; Jonson, R. / Moran, K., Der heilige Berg Kailash, Bruckmann; Die heiligen Berge der Welt, Verlag für Sammler; Gruschke, A., Die heiligen Stätten der Tibeter, Diderichs; Bätz, F., Berg der Götter, Weishaupt; Lexikon des Buddhismus, Herder; Gratzl, K, .Mythos Berg, Hollinek

OM MANI PADME HUM
OM! Juwel im Herzen des Lotus!HUM!

© emmet 4-2008

 

 

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