Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

OBEN
Heilige Berge
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Kangchendzönga
Kangchendzönga

 

Das gewaltige und eindrucksvolle Bergmassiv des Kangchendzönga (Kangchenjönga) erhebt sich im Grenzgebiet von Sikkim, Nepal und Tibet bis in eine Höhe von 8598 m.
Dieser dritthöchste Berg der Welt ist mit seinen fünf Gipfel der heiligste

unter den Achttausendern; den Buddhisten Sikkims und Tibets ist er sowohl göttlicher Schutz als auch Sitz des Gottes des Reichtums.

Übersetzt bedeutet die tibetische Bezeichnung Kangchendzönga "Fünf Schätze des Grossen (ewigen) Schnees" oder " Fünf Brüder des Grossen Schnees" ("Fünf göttliche Brüder der fünf Schätze"), wobei dem Namen die Schreibweisen Gangs chen mdzod lnga und Gangs chen mchod lnga zugrunde liegen.

Auf einen alten Text geht die Interpretation "Fünf Schätze des Grossen Schnees" zurück. Demnach soll auf jedem der fünf Gipfel ein Schatz verborgen sein. Gold enthalte der Schatz des höchsten Gipfels, die anderen jeweils Silber, Juwelen, Getreide und heilige Schriften. Diesen fünf Schätzen wohnt eine spirituelle Bedeutung inne, denn Gold, Silber und Juwelen können versinnbildlicht als Weisheit und Mitleid auf dem Weg zur Erleuchtung gefunden werden. Analog zu den Schätzen, die er hütet und verteilt, hat der Gott des Reichtums, Vaisravana (Kuberea), hier seine angemessene Wohnstatt.

Die Deutung des Namens der "Fünf Brüder" lässt vermuten, dass die fünf Kangchendzönga-Gipfel mit ihren Schätzen von fünf göttlichen Brüdern behütet werden. Nach der Tibetologin Blanche Olschak, lassen sich ihnen fünf Farben (Weiss, Gelb, Rot, Grün, Azurblau) und Waffen aus Muscheln, Gold, Eisen, Kupfer und Donnerkeile zuweisen.

Lepchas
Lepchas

Für die Bewohner Sikkims ist die Personifikation des Berges der göttliche Beschützer ihres Landes. Insbesondere bei den Lepchas, den Ureinwohnern Sikkims, die sich selbst Rongpas, "Bewohner der Täler" nennen, hat er einen hohen Stellenwert. Sie bezeichnen ihn als Konglo Chu (Kong-lo cu), "Der höchste Schleier aus Eis".

Ihrem Glauben nach, formte ihr Schöpfergott aus dem Gletschereis des Kangchendzönga ein Ahnenpaar, mit dem Manne Furongthing und seiner Frau Nazongnyu. Hinter der

massigen Gestalt des Berges, so glauben sie weiter, befinde sich das "Königreich der Toten", in das sie nach ihrem Tode eingehen. Kleine Schreine, den tibetischen Steinmännchen ähnlich, sollen den Segen der Berggottheit Kongchen erbitten, die auf dem Berg residiert. An ihnen opfern die Lepchas zu bestimmte Anlässen Yaks und erbitten den Schutz vor bösen Mächten.

Kangchenjunga
Luftaufnahme des
Kangchenjunga

Kangchenjönga als Schutzgottheit ist für die ab dem 15. Jahrh. eingewanderten Tibeter besonders bedeutend. Die Geschichte der Einführung des Buddhismus in Sikkim ist, wie so oft , eine Mischung aus Mythos und Wahrheit. Diese Aufgabe übernahm der 1595 gebohrene Lama Lhatsün Chempo (Tschenpo), was Fakt ist. Dem Mythos nach, näherte sich dem Lama bei einer Opferzeremonie der Berggott Kangchendzönga als ein weisser Vogel, der "König der Gänse" genannt, um ihn zu begrüssen und willkommen zu heissen. Erfreut über

dieses Willkommen, opferte Lhatsün Chempo dem Berggott zu Ehren. Aus diesem Opferritual entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein Maskentanzritual, das alljährlich bis in die heutige Zeit in Gangtok, der Hauptstadt Sikkims aufgeführt wird und die lamaistische Tradition Sikkims bereichert. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der "friedliche" Empfang des Lamas, stellen sich doch in der Regel die Gottheiten den Neuerern in den Weg.

Begleitet und unterstützt wird Kangchendzönga von seinem Minister, dem Dämon Yabdü, dem "Teufelsvater". Im Gegensatz zum Berggott, hat Yabdü, der als eine Emanation des Schutzgottes Mahakala, angesehen wird, seine Wohnstatt nicht auf dem Kangchendzönga selbst, sondern auf einem Berg nahe der Ortschaft Siliguri. Er sei , so die Einwohner Sikkims, für den warmen, lawinenauslösenden Südwind verantwortlich und müsse mit einem schwarzen Yak in einem Opfer besänftigt werden. Auch Yabdü ist Gegenstand des in Gangtok zelebrierten Maskentanzes.

Namen

Kangchendzönga, Kangchenjönga, Kangchenjunga, Khanchendzonga, Kantsch (dt. Kurzform) Gangchhendzönga (gefunden bei Vittorio Sella). Konglo Chu , Kong-lo cu, "Der höchste Schleier aus Eis", ist die Bezeichnung der Lepchas.

Zun Thema

Der Berg wurde erstmals 1955 von einer britischen Expedition bestiegen. Aus Rücksicht auf die Heiligkeit des Berges und die religiösen Gefühle der Bevölkerung betraten die Bergsteiger den Gipfel nicht.
Mittlerweile gibt es in Sikkim eine Bürgerinitiative, die "Concerned Citizens of Sikkim", die sich für Besteigungsverbote einsetzt. Wohl mit Erfolg - mittlerweile soll die Besteigung des heiligen Kangchendzönga und sieben weiterer Gipfel verboten sein. Anstoss war eine österreichische Expedition, die den Berg mal wieder oder immer noch (warum eigentlich?) "bezwingen" wollte.

Quelle: Internet; A. Gruschke, Die Heiligen Stätten der Tibeter, Diedrichs Gelbe Reihe; Olschak u.a.,Himalaya, vgs; Gratzl, K. , Mythos Berg, Hollinek; Notz, H.-J. Lexikon des Buddhismus, Herder; Dal Caucaso al Himalaya 1889-1909, Vittorio Sella, Touring Club Italiano,

 

OM MANI PADME HUM
OM! Juwel im Herzen des Lotus!HUM!

© emmet 4-2008

 

 

 

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