Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

OBEN
Heilige Berge
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Takpa ShelriTakpa Shelri

n der Grenze zum indischen Bundesstaat Arunachal Pradesh, erheben sich über dem südtibetischen Tsari-Tal, die schneebedeckten Gipfel der bis zu 5735 n hohen sakralen Takpa-Shelri-Kette.
Es ist ein Ort von ungewöhnlicher Schönheit, ragen doch die Schneeberge

jäh aus dem üppigen Grün des Dschungels. Als heiliger Berg ist er für viele Tibeter eines der wichtigsten Pilgerziele und von grosser Bedeutung.
Die tantrische Gottheit Demchok, "höchste Glückseligkeit", hat hier, neben dem Kailash und Lapchi Kang, eine seiner drei Residenzen, die als "Körper, Rede und Geist" der Gottheit aufgefasst werden. Auch die Dakini Khandroma Dorje Phakmo (Pagmo) (Vajravarahi ) thront in enger Vereinigung mit Demchok auf diesem Gipfel.

Im Gegensatz zum Kailash, des im Westen populärsten tibetischen heiligen Berges, ist der Takpa Shelri als solcher hier wenig bekannt und wird man damit seiner überragenden Bedeutung als tibetischen Pilgerberg nicht gerecht. Der Grund dafür liegt einerseits in der politischen Situation, und andererseits in der natürlichen Unzugänglichkeit dieser Region. Der Takpa Shelri befindet sich innerhalb der alten tibetischen Region Loyul, die durch politische Umstände und einem Grenzkrieg zwischen China und Indien, nach Norden abgetrennt wurde. Die Grenze bildet die McMahon-Linie - im wesentlichen der Himalaya-Hauptkamm - und trennt Tibet vom indischen Bundesstaat Arunachal Pradesh. Heute ist die Region auf beiden Seiten grösstenteils Sperrgebiet und nur mit einer Genehmigung zu bereisen. Auf der anderen Seite ist diese im Himalaya wohl am wenigsten erforschte Region, mit dichtem Dschungel bewachsen, in dem durch feuchte Luft, ausgelöst durch die weltweit grössten Niederschläge und quälende Insekten, das Leben zur Hölle wird.

Das Tsari-Mandala

Cakrasamvara - Mandala
Chakrasambhava-Mandala

Der Berg als Ganzes wird als ein überdimensionaler Chörten aus Kristall gesehen, der das Buddha-Bewusstsein darstellt. Wie die Kailash-Region, ist auch die Topographie des Takpa Shelri ein natürliches Mandala, das friedliche und zornvolle Zonen aufweist. Das Zentrum dieses Mandalas bildet der mittlere Gipfel des Takpa Shelri, der "unbefleckte Kristallberg" , der Sitz Demchoks, der "höchsten Glückseligkeit". In Form zweier gekreuzter Dorjes liegt die Basis des Mandalas in der Unterwelt. Deren Kreuzungspunkt, senkrecht nach oben verlängert, ergibt die aus Gold und Juwelen bestehende Spitze.

Vier weitere Gipfel, an den Himmels-richtungen ausgerichtet, sind die Residenzen der vier männlichen und vier weiblichen Buddha-Gottheiten. Zugänglich

ist die Region bzw. das Mandala über vier Tore, die von den Bodhisattvas bewacht werden: das östliche Tor, die Parpa-Jong-Schlucht, wird von Manjushi bewacht, das südliche, der Jowo-Them-La-Pass, von Vajrapani, das westliche Tor, Domtsang-Rong-Schlucht, bewacht Tara, und Avalokiteshvara bewacht das Tor Chikchar im Norden.

Durch diese Tore traten die Yogis in das Mandala, Padmasambhava beispielsweise kam durch das südlicheTor, den Jowo-Them-La-Pass. Zu diesen vier Toren gehören wiederum jeweils vier Schluchten, Seen, Pässe, Flüsse und Höhlen. Die Seen, Kala Dungtso, "Muschelschalen-See", Photrang Kyokmotso, "Löffelsee-Palast", und Photrang Yumtso, "Türkissee-Palast" befinden sich um den oberen Teil des Berges, andere kleinere sind im Takpa Shelpri-Gebiet verstreut. Neben der Verehrung des Aspektes der Vereinigung von Demchok und Dorje Phakmo, konzentrieren sich aber manche Yogis nur auf Dorje Phakmo.

Der Meditationsberg

Im Gegensatz zur nackten und kalten Meditationsumgebung des Kailash und der paradiesischen des Lapchi Kang, ist die des Takpa Shelri nur erreichbar, wenn der Pilger Leib und Leben wagt. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, wenn man bedenkt, dass diese Region von einem weitgehend unerforschten und unwegsamen Dschungel umgeben ist.

Dakini Dorje Phakmo
Die Dakini oder
"Himmelswandlerin"
Dorje Phakmo

Seine "Entdeckung" als Meditations- und Kraftplatz lag um Jahrhunderte später als bei Kailash und Lapchi Kang und er wurde anfänglich mit ziemlicher Sicherheit nur von wirklich ernsthaft suchenden Yogis aufgesucht, weniger von Laien und Mönchen. Der bekannteste unter ihnen, Padmasambhava, soll im 8 Jh. in einer Höhle mit Namen Zilchen Sangwe Puk (Zilchan Sangphuk), "Höhle der strahlenden Geheimnisse", hier sieben Jahre, sieben Monte und sieben Tage meditiert haben. Unter ihnen befanden sich auch viele indische Eingeweihte, so auch der Atisha-Lehrer Lawapa und sein Schüler Bhusuku, die den Tapka Shelri durch das östliche Tor erreichten und in den Höhlen von Lawapuk und Khajor-Ri meditierten. Lawapa, ein Gelehrter aus Urgyan, einer Gegend im jetzigen Afghanistan aus der auch Padmasambhava stammte, übermittelte die dritte Übertragung der Kagyü-Tradition an Tilopa; sie besteht aus dem "Demtschog (Demchok)-Tantra und der

Meditationspraxis des "Klaren Lichts". Es liegt nahe, dass gerade deshalb die Yogis der Kagyü-Linie hier am Tapka Shelri besonders aktiv waren.

Wichtig ist im Zusammenhang mit dem Tapka Shelri auch das Tsari-Tal. Dieses sakrosante Tal hat den Status eines "Verborgenen Tals", deshalb gibt es hier wenig Landwirtschaft, in einigen Weilern ist auch Ackerbau verboten. Man lebt hier von Milchprodukten und den Gaben der Pilger und natürlich vegetarisch.

Die Kora

Der Tapka Shelri wird auf drei Pilgerwegen umschritten. Der höchste und nur den Yogis vorbehaltene Tsekor, "Gipfel-Pfad", umkreist vier heilige Gipfel. Er erfordert zwei bis vier Tage Gehzeit und führt an den von den Yogis geheiligten Meditationshöhlen vorbei. Die leichteste Route ist der Zhungkor oder Chilkhor, "Mittlerer Weg", der von Laien und Mönchen gegangen wird. Er dauert bis zu einer Woche und führt über sieben Pässe. Der Rongkor (Rongkhor), der " Weg durch die Schluchten", ist die mühevollste und langwierigste Pilgerroute, trotzdem ziehen insbesondere alle zwölf Jahre bis zu 100.000 Pilger über diesen Weg.

Cakrasamvara
Cakrasamvara in seiner zwölfarmigen Manifestation

In Chikchar, "Ort der sofortigen Verwirklichung", dem Nordtor des Mandalas, beginnt und endet der Gipfel-Pfad, der auf einer Höhe von 4550 bis 5100 m begangen wird und daher nur während des Sommers begehbar ist. Hier steht ein von Padma Kampo im Jahre 1570 erbauter Tempel der Dorje Phakmo. Von hier steigt der Weg zum Drölma-La-Pass auf und berührt dabei die heiligen Meditationshöhlen von Lawapa und Bhusuku. Über weitere Pässe gelangt der Pilger zum höchsten Punkt der Kora, dem Gipfel Dakpo Shelri, in dem die Essenz des heiligen Berges konzentriert ist. Der Gipfel selbst steht für die Vereinigung von Demchok und Dorje Phakmo, also für die Verschmelzung der vollkommen Erkenntnis und der geschickten Methoden. Die beiden anderen Gipfel Dotje Ri und Shenrab Ri repräsentieren jeweils den männlichen und weiblichen Aspekt für sich genommen.

Bei Dosten (Bod Dostsenchan) beginnt die mittlere Kora (Zhungkor), die von dem Yogi Kyepo Yeshe eröffnet wurde. Jährlich wird diese Öffnung durch ein Ritual, "Schneepilgerschaft", im dritten Monat während einer Vollmondnacht begangen. Viele Yogis und Pilger sehen an diesem Ort das eigentliche Kraftzentrum des Mandalas. Hier gibt es berühmte Felsen, aus denen heiliges Wasser fliesst. Sie stellen Lingam und Yoni von Mahadeva und Uma dar; es liegt nahe, dass an diesem Ort Frauen um Fruchtbarkeit bitten. Allerdings müssen diese am Drölma-La-Pass umkehren, weiblichen Pilgern ist es nicht erlaubt, den ganzen Weg zu gehen. Vom Drölma-La führt der Weg über den Takma-La zum See Photrang Yumtso, dem wichtigsten der Takpa Shelri-Seen. Er ist die Quelle aller magischen Kraft, ihn zu sehen heisst das Mandala betreten. Der See ist auch Gefäss für wertvolle Opfergaben, der Pilger opfert hier Schmuck, Edelsteine und Geld.

Der 150 Kilometer lange Rongkor entfaltet insbesondere im alle zwölf Jahre wiederkehrenden Jahr des Affen (zuletzt 1992 und jetzt wieder im Winter 2004!) seine volle spirituelle Kraft. Bis zu 100.000 Pilger aus Kongpo, Pome und Lhasa sollen in solchen Jahren früher auf dem Pilgerweg unterwegs gewesen sein, dies war die beliebteste Pilgerreise in ganz Tibet.

Lopa
Lopa-Jäger

Und das, obwohl gerade dieser Weg die gefahrvollste und anstrengendste Pilgerroute darstellt, weist doch der Rongkor ein extremes klimatisches Profil auf: ist es im unteren Bereich des Dschungels extrem schwül und feucht, sind die hohen Bergregionen mit ihren schneebedeckten Pässen eisig kalt. Dazu muss der Pilger all seine Vorräte mit dem übrigen Gepäck für diese Wanderung auf seinem Rücken tragen. Zhakbar Rimpoche, der die Pilgerfahrt 1812 unternahm, berichtet von an Hunger und Krankheit sterbenden Pilgern und von schwachen, die von stärkeren getragen wurden. Obwohl diese Pilgerströme tibetische Truppen begleiteten, gab es immer wieder Übergriffe von fremdenfeindlichen, teilweise sogar kannibalischen autochthomen Stämmen, die die Pilger früher mit Pfeil und Bogen beschossen. Insbesondere die Lopa-Stämme, taten sich hier hervor, die sich aber durch Geld oder "Lösegeld" in Form von Stoffen und Tsampa besänftigen liessen. Lopa bedeutet im

tibetischen "Wilder" oder "Barbar". Sie sind ein in Tibet in der Minorität lebendes kriegerisches Volk, das keine Fremden mag und sich sehr von den Tibetern unterscheidet undleben innerhalb einer Gemeinschaft von der Jagd. All die Pilger, die den Rongkor geschafft haben, sollen einer alten Überlieferung nach, jeden beliebigen heiligen Ort in Tibet erreichen können. Der Pilgerpfad, der das Massiv von drei Seiten berührt, beginnt und endet im unteren Tsari-Tal an der Grenze zum indischen Arunachal Pradesh.

Namen

Takpa Shelri, Dakpa Shelri , auch Tasari (nach dem gleichnamigen Tal) oder Tsaritra , der "unbefleckte Kristallberg".

 

Quelle: Internet; A. Gruschke, Die Heiligen Stätten der Tibeter, Diedrichs Gelbe Reihe; Olschak u.a.,Himalaya, vgs; Gratzel, K., Mythos Berg, Hollinek, Dowman, K. Geheimes heiliges Tibet, Atlantis; Lexikon des Buddhismus, Herder

 


OM MANI PADME HUM
OM! Juwel im Herzen des Lotus!HUM!

© emmet 4-2008

 

 

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