Richtungen im Islam

Am Anfang der muslimischen Weltreligion steht der Urislam. Das ist die älteste Form des Islam zur Zeit Mohammeds und seiner ersten Anhänger. Nach dem Tod des Propheten kommt es wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Nachfolge Muhammads und der Leitung der Glaubensgemeinde (arab.: umma) schon im 7.Jh. zu großen Spaltungen unter den Muslimen.

Schiiten
Die Schiiten berufen sich im Unterschied zu den Sunniten auf Ali ibn Abi Talib als den Führer (Imam) der Gesamtgemeinde. Ali war ein Vetter Mohammeds und ist in den Augen der Schia, der "Partei Allahs", der rechtmässige Nachfolger des Propheten. Anhänger dieser Glaubensrichtung erkennen die Kalifen der Sunniten nicht an. Die Schia spaltete sich in zahlreiche Einzelgruppen auf; manche Forscher gehen von bis zu 72 solcher Splittergruppen aus, zu denen die Ismaeliten und die Assassinen zählten. Die Schiiten erwarten das Erscheinen nicht eines zuvor gestorbenen, sondern eines im Zustande der "Verborgenheit" befindlichen Imams.

Sunniten
Die Sunniten machen die überwiegende Mehrheit der Muslime aus. Ihre Bezeichnung leitet sich von der Sunna her, was so viel heißt wie Herkunft, Brauch oder Sitte. Die Sunna ist die Überlieferung des Lebens und Wirkens sowie der Aussprüche des Propheten Mohammed. Auch schildert sie sein Leben in der engsten Umgebung. Sie ist Richtschnur des Handelns der Gläubigen und trat neben den Koran. Die Sunniten halten an der Rechtmäßigkeit der Kalifen gegenüber den Imamen fest.

Sufis
Die Sufis sind die Mystiker des Islam. Benannt wurden sie nach ihrem Büssergewand aus. Der Sufismus wendet sich sowohl gegen die Autorität der Imame als auch gegen die absolute Gehorsamsforderung gegen Gott, die die Sunniten erheben. Die Mystiker predigen vielmehr die Liebe zwischen Gott und den Menschen und streben Armut und Askese an. Im Laufe seiner Entwicklung, die sich vor allem in Iran vollzog, ging der Sufismus mit Ordensgründungen einher. Die Ordensbrüder wurden Derwische genannt, die mystische Ekstase auch mit Hilfsmitteln wie Musik und Tanz erreichen wollten. Der Sufismus spielte eine bedeutende Rolle für die Volksfrömmigkeit.

ZURÜCK