 Der Geist des Ortes
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OBEN | |
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ls Johann Wolfgang von Goethe 1786 über den Brenner
nach Italien reiste, notierte er in sein Reisetagebuch, dass dieses
Gebiet "zu umreisen wäre eine hübsche Aufgabe für einen jungen Mineralogen".
Mit dem Blick eines Naturwissenschaftlers, der er ja auch war, erkannte
Goethe schon
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früh die Bedeutung "dieses Gebiets" für die moderne
geologische Forschung.
Als hätte er die Gedanken Goethes geahnt, richtete etwa zur gleichen
Zeit der junge Wissenschaftler und Abenteurer Deodat de Dolomieu
seine ganze Aufmerksamkeit auf eben jenes abgelegene Gebiet in der
Nähe des Brenners, das später seinen Namen tragen sollte, obwohl
er sie wahrscheinlich nie gesehen hat: die Dolomiten.
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Deodat de Dolomieu, mit vollem Namen Dieudonne Guy Sylvain Tancrede
Gratet de Dolomieu (aus Dieudonne wurde später das lateinisierte
Deodat), wurde am 23. Juli 1750 in Dolomieu in der französischen
Provinz Dauphine als neuntes Kind des örtlichen Barons geboren.
Nach einer eher kurzen militärische Laufbahn widmete er sich ab
seinem 24. Lebensjahr 1774 ganz den Wissenschaften der Geologie
und Mineralogie, die damals geradezu aufblühten.
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Deodat
de Dolomieu
Gemälde von George Cooke, 1781-1834 . |
In diesen Zeiten des Umbruchs befreite sich die Wissenschaft aus
ihren Zwängen, die sie über Jahrhunderte einengte - religiöse Dogmen
wurden von neuen Ideen abgelöst. Es war eine Zeit der Entdeckungen
- man hatte zwar alle Kontinente entdeckt, aber dennoch wusste man
wenig über das "alte Europa". So zog er wie viele seiner ambitionierten
Kollegen (Sassure, Haquet)
aus, um diese "Terra Incocnita" neugierig in Augenschein zu nehmen.
Er bereiste zwischen 1777 und 1783 fast das ganze südliche Europa.
Stationen seines Wirkens waren die Bergwerke der Bretagne, sowie
die Pyrenäen, Portugal und die Vulkane Italiens.
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Seine bedeutendste Reise, zumindest hinsichtlich seines Nachruhmes,
führte 1788/1789 von Innsbruck aus über den Brenner nach Tirol,
in eben jene Region, von der Goethe vorausschauend sagte, sie "zu
umreisen wäre eine hübsche Aufgabe für einen jungen Mineralogen".
Er war nicht zufällig da. In diesem Teil der Zentralalpen sind die
unterschiedlichen Schichten des Gebirges praktisch kom-
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plett übereinander gelagert - ein Paradies
für Geologen. 1789 fand er zwischen Gschnitz und Pflersch ein Gestein
aus dem Tribulaun, einem Teil der Stubaier Alpen. Dieses ihm nicht
bekannte, dem Kalk ähnliche hellgraue Gestein erweckte seine Aufmerksamkeit.
Nach mehreren chemischen Laboruntersuchungen stellte er fest, dass
das Gestein kein Wasser enthielt und bei Säureeinwirkung nicht sofort
Gas entwickelte, wie die übrigen Kalksteine.
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In der Vermutung, es handele sich um ein bisher unbekanntes Mineral,
schickte Dolomieu noch im gleichen Jahr einige Proben dieses 'merkwürdigen'
Gesteins an den Sohn des Mont Blanc-Protagonisten Horace
Bénédict de Saussure, den Chemiker, Botaniker und Geologen Nicholas
de Saussure.
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Dolomit Kristall |
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Obwohl Dolomieu selbst für das von ihm entdeckte Gestein den Namen
'Saussurite' vorschlug, war es wohl de Sassure, der, übrigens gegen
den strikten Willen Dolomieus, den Namen 'Dolomite' für das Mineral
und für den Felsen, dem es entnommen wurde, 'Dolomia' katalogisierte
und damit auch einführte - erst um das Jahr 1864 bürgerte sich der
Name 'Dolomiten' für die gesamte Region ein.
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Die Namensgebung für die Bergregion 'Dolomiten'
ist wissenschaftsgeschichtlich sehr untypisch. Viele Mineralien
und Gesteine wurden nach ihren Entdeckern bzw. den Landschaften,
in denen sie gefunden wurden benannt, beispielsweise Goethit - Goethe
bzw. Caledonit - Caledonien. Bei den Dolomiten wird der Landschaftsname
von seinem vorherrschenden Mineral abgeleitet, das wiederum den
Namen seines Entdeckers trägt: Dolomiten - Dolomit - Dolomieu. Und
so tragen die Dolomiten den Namen jenes Mannes, der die bleichen
Berge wahrscheinlich nie gesehen hat.
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1791 zog sich Dolomieu mit seiner umfangreichen Sammlung auf sein
Landgut zurück und veröffentlichte Abhandlungen über das neue Gestein
und den Ursprung des Basalts. Nach weiteren Reisen, unter anderem
mit einer französischen Expedition nach Ägypten und einer kurzen
Gefangenschaft im Krieg zwischen Frankreich und Neapel, erhielt
er 1801 den Lehrstuhl für Mineralogie am Museum für Naturgeschichte
und starb am 26. November des gleichen Jahres hochgeachtet.
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Für Freunde der Systematik:
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Dolomit
Kristallgitter |
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Chemische Formel:
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CaMg(CO3)2
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Chemische Zusammensetzung:
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CaO 30,41 %, MgO 21,86 %, CO2 47,73 %;
Beimengungen von Fe, Mn, Co, Pb, Zn;
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Strich:
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weiß
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Glanz:
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Glasglanz bis Perlmuttglanz
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Opazität:
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durchsichtig bis durchscheinend
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Bruch:
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muschelig
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Tenazität:
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spröde
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Spaltbarkeit:
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ausgezeichnet, nach [1011]
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Mohshärte:
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3,5 - 4
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Dichte (g/cm3):
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2,85 - 2,95
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UV:
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Luminiszenz: orange, gelb, weiß, cremefarben,
hellgrün, bräunlich. Einige Dolomite weisen Triboluminiszenzfähigkeit
auf
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Kristallsystem:
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trigonal
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Kristallklasse:
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trigonal-pyramidal
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Zwillingsbildung:
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vorhanden
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Habitus u. Tracht:
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Kristalle rhomboedrisch, oft sattelförmig
gekrümmt, prismatisch mit rhomboedrischen Flächen; Zwillinge; Aggregate
körnig, dicht, kugelig; Pseudomorphosen; oft gesteinsbildend
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Farbe:
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farblos / weiß / grünlichgrau / allochromatisch
durch Fremdbeimengungen
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© emmet 5-2008
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