 Der Geist des Ortes
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 |  | m 28. September 1899 nahmen die Berge für Giovanni Segantini jene Qualität an, die er auf seinen Bildern immer hatte bannen wollen: An diesem Tag starb er geschwächt unweit des Muottas Murgal auf dem Schafberg , wo er das Mittelstück seines Alpentriptychons, La Natura / | | Natur, vollenden wollte, im Alter von nur 41 Jahren. |  Selbstbildnis | Im Jahre 1858 in Arco (Trient) geboren, und in Mailand als Waise aufgewachsen, war ihm das Künstlertum nicht gerade in die Wiege gelegt; früh erkennt man aber sein künstlerisches Talent und fördert ihn. Von 1873 bis 1874 arbeitet Giovanni im Photo- und Drogeriegeschäft seines Halbbruders im Trient. 1875 kehrt er nach Mailand zurück und belegt bis 1879 Kurse für Malerei und Ornamentik an der "Accademia di Belle Arti" im Palazzo di Brera. In dieser Zeit gewinnt Giovanni Segantini verschiedene Preise, stellt erstmalig aus und erringt mit der Darstellung eines Kircheninterieurs seinen ersten wichtigen Erfolg. Er lernt den Kunstkritiker und -händler Vittore Grubicy de Dragon kennen, der ihn betreut, berät und zusammen mit seinem Bruder Alberto Grubicy später finanziell unterstützen wird. | | Im Jahr darauf eröffnet er sein erstes Atelier in Mailand und lernt die siebzehnjährige Luigia Bugatti (genannt Bice) kennen, beide werden Lebensgefährten. In den kommenden Jahren lebten und arbeiteten sie in verschiedenen Ortschaften, bis sie 1886 ins Gebirge zogen. Erster Wohnort war hier das Bergdorf Savognin im schweizerischen Graubünden, wo die inzwischen mit Kindern und Geldsorgen angewachsene Familie bis in das Jahr 1894 lebte. | | In diese Zeit fallen die ersten grossen künstlerischen Erfolge wie der Gewinn der Goldmedallie mit dem Bild "An der Stange" auf der Amsterdammer Weltausstellung 1886 und Segantini ist einer der bestvertretenen Künstler in einer Italien gewidmeten Ausstellung auf der Pariser Weltausstellung 1888. | | Auf Grund von Steuerschulden und der hartnäckigen Verfolgung durch Gläubiger verlässt Segantini Savognin und lässt sich 1894 in Maloja im Oberengadin nieder. Segantini beginnt rastlos zu arbeiten, überwältigt vom Licht und der Schönheit der Hochgebirgslandschaft, die jetzt zu seinem Hauptthema wird. Seine Bilder hängen nun schon in den Museen der ganzen Welt; er gilt als einer der berühmtesten Künstler seiner Zeit. 1896/97 arbeitet Segantini am "Engadiner Panorama" für die Pariser Weltausstellung von 1900. Das Projekt scheitert jedoch an den extrem hohen Kosten. | | Was bewog Segantini und seine Familie in die Abgeschiedenheit der Schweizer Bergwelt zu ziehen? Es mögen künstlerische Motive gewesen sein: zum einen das Licht. "In einer Zeit, in der mit dem Impressionismus das Atmospärische mehr und mehr ins Zentrum rückte, was Betrachter an Bildern mochten,. . . verlieh die Sonne jenseits von Soglio Segantinis Naturaufnahmen die Signatur. Er brannte sie in einem raffinierten, divisionistischen Verfahren in die Zweidimensionalität. Stets begleitet die dicken Pinselstriche in den Lokl-, das heisst vor Ort wahrgenommen Farben eine dünnere, gleichsam als Fond gesetzte Linie, die sich im Komplementärkontrast darbietet. Hinter dem Gelb kommt etwa ein Violett zum Vorschein", so der Kunsthistoriker Rainer Metzger. Hier konnte der Künstler seine lichterfüllte Darstellungsweise entwickeln, die mit der Entwicklung der divisionistischen Maltechnik und der zunehmenden Hinwendung zum Symbolismus einherging. |  Mittag in den Alpen | | Zum anderen die Flucht aus einer immer komplizierter und industrialisierter werdenden Welt oder Wirklichkeit, von der übrigens nicht nur Segantini sich abwandte. Vincent van Gogh flüchtete in die Provence und Paul Gauguin suchte sein Heil in der Südsee. Segantini aber vernahm den Ruf der Berge. Hier gelang es ihm, die alpine Landschaft ohne einen überhöhten Illusionismus in allegorische Bildvisionen einfliessen zu lassen.
Quelle:Internet, Berge 29/89
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