Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

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Portraits

Vittorio Sella
Vittorio Sella

mringt von den Gipfeln der Grivola und der Gran Serra, liegt auf 2584 Meter Höhe, über dem Cognetal, das Refugio Vittorio Sella, das ehmalige Jagdhaus der italienischen Könige. Das Refugio ist nach jenem Mann benannt, den man als Begründer der Bergfotografie bezeichnen kann: Vittorio Sella.

Mit einem Panoramabild, aufgenommen vom Gipfel seines Hausberges, des Monte Mars, oberhalb des italienischen Wallfahrtsortes Oropa, begann im Juli 1879 Vittorio Sellas Karriere als Fotograf. Er war 20 Jahre alt. Über einen Zeitraum von zwei Wochen stieg er täglich mit Material auf den Monte Mars, bis er die 14 mit feuchtem Kollodium beschichteten Fotoplatten und die Plattenkamera im Format 30 x 36 cm oben hat und endlich die Lichtverhältnisse für die Aufnahmen perfekt sind. Die Wahl für das eigentlich schon für damalige Verhältnisse veraltete, komplizierte Verfahren mit dem feuchten Kollodium ist nicht Zeichen mangelnder Erfahrung oder Unkenntnis. Ganz bewußt wählt er nicht den einfachsten und schnellsten Weg, um zum für ihn besten Ergebnis zu gelangen.

Seracs auf dem Galcier Blanc
Seracs auf dem Galcier Blanc, Grand Sagne
und Ecrins. 13.08.1888

Er will das Hochgebirge vom idealen Standort und in höchster Abbildungqualität darstellen und das ohne Rücksicht auf den eigenen Einsatz und Aufwand, was letztendlich bedeutet, dass er sich mit der grossen Last seiner Ausrüstung selbst ins Hochgebirge begeben muss. In den ersten zehn Jahren seines Schaffens wagte er sich an das Projekt, den ganzen Alpenbogen fotografisch zu erfassen, wobei er nicht nur sein fotografisches Talent, sondern auch sein aussergewöhnliches bergsteigerisches Talent einbringen konnte.

Mit herausragenden alpinistischen Leistungen machte er sich in diesen Jahren einen Namen. So gelang ihm 1882 die erste Winterüberschreitung des Matterhorns,1884 die erste Winterbesteigung der Duforspitze und ein Jahr später,1885, eine Wintererstbegehung am Lyskamm.

Die Überquerung des Mont Blanc im Winter von Courmayeur nach Chamonix gelang ihm im Winter 1888. Auch als Bergsteiger sah er die Berge immer mit den Augen des Fotografen. So schrieb er: "Viele werden meinen, dass der Gedanke hohe Berge im Winter zu besteigen, wenn die Schwierigkeiten am grössten sind, zwar originell, aber wenig vernünftig ist. Wer aber je erlebt hat, wie sich der Anblick im Winter ändert, wie sehr die scharfe Kälte die Luft reinigt, wie lebendig die Farbtöne, wie stark die Kontraste und wie prächtig das Panorama wirkt, das sich den Augen darbietet, wird mir ohne Zögern zustimmen."

Letztendlich sind seine Leistungen als Bergsteiger nur "Gesellenstücke" auf dem Weg zu aussereuropäischen fotografischen Zielen: Sikkim (1899), Alaska (1897), Afrika (1906), Zentralkaukasus (1889, 1890, 1896) und das Karakorum (1909). Die Ausbeute dieser Reisen sind hervorragende fotografische Dokumente, die Bilder seiner Kaukasusreise bringen ihm den Murchinson-Preis der englischen Royal Geographical Society ein. 1893 avanciert Vittorio Sella quasi zum Hoffotografen und fotografiert die Einweihung der Campanna Margherita auf der Punta Gnifetti: Hier entstand die berühmte Szene mit der Königin Margherita und dem königliche Hof nebst Hunden auf dem Lysjoch. Im Jahre 1909 folgte Sella dem Ruf seines Freundes Prinz Luigi Amedo di Savoia, dem Herzog der Abruzzen, ins Karakorum zum K2, einer Reise, die die Krönung seiner Karriere als Fotograf und Bergsteiger bilden sollte.

Beide waren schon zuvor zusammen in Alaska (Mount Elias) und am Ruwenzoni in Zentralafrika. Durch zahlreiche Erstbegehungen waren diese Expeditionen nicht nur ein voller Erfolg, auch die Ausbeute an fotografischem Material war sehr umfangreich. Bestiegen wurde der K2 wie wir wissen durch diese Expedition nicht, aber durch die Entdeckung einer Aufstiegsmöglichkeit über den "Abruzzensporn" und einer erreichten Höhe von 7500 Metern an der Chogolisa (7654 m), schrieb diese Expedition Alpingeschichte. Hier entstand neben einer Vielzahl von eindrucksvollen Foto-grafien, auch der erste Expeditionsfilm durch ihn.

Dies war seine letzte Expedition, denn von nun an widmete er sich seiner Arbeit als Bauer und verkaufte Abzüge seiner unvergleichlichen Bergbilder in die ganze Welt. Am 12. August 1943 starb Vittorio Sella. In einem Nachruf schrieb Anselm Adams: "Die Ruhe und Vollendung, die in allen Fotoarbeiten Vittorio Sellas liegen, erfüllen uns mit grossem Staunen".

Camp am K2, Vittorio Sella

Camp am K2, Juni 1909


Quelle:Internet, Berge 27/87



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