
Der
Geist des Ortes
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OBEN |
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m Hagener Folkwang-Verlag erschien 1919
ein romantisch-utopisches Buch in Form eines gebundenen Mappenwerks
mit dem Titel "Alpine Architektur". Autor dieser ungewöhnlichen
Mappe war Bruno Taut.
In 30 Zeichnungen und in fünf Teilen entwirft Taut die Vision
einer neuen
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künstlichen Hochgebirgslandschaft,
in der die Gipfel der Alpen mit farbigen Glaspalästen, Bögen
und Pfeilern überbaut werden sollten, einer Verschmelzung von
Natur und Architektur.
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Bruno Taut |
Der 1880 in Königsberg geborene Bruno Taut studierte von 1904
bis 1908 in München bei Theodor Fischer. 1908 eröffnet
er in Berlin ein Architekturbüro und erregt erstmals 1914 mit
einem eigenwilligen Glaspavillon für die Ausstellung des Deutschen
Werkbundes Aufmerksamkeit. Er initiierte 1909 die "Gläserne
Kette" und im gleichen Jahr erschien sein Buch die "Alpine Architektur
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Glaspavillion |
| Die
Gläserne Kette |
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Im Erscheinungsjahr der "Alpinen Architektur" 1919, rief er den
geheimnisvollen Briefwechsel, die "Gläserne Kette", ins Leben,
die eine neue Form der geistigen Auseinandersetzung sein sollte.
Mit Taut als geistigem Vater, gehörten dieser Gruppe Teilnehmer
wie der Architekt Walter Gropius und der Dramatiker Alfred Brust
an.
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»In parareligiös - nietzscheanischer Diktion«, so
Hubertus Adam (Luft von anderen Planeten), » avancierte der Architekt
darin zum Verkünder eines neuen Glaubens. Den schöpferischen
Prozess sah Taut als Vorschein einer neuen spirituellen Welt, in
der die bisherigen Gegensätze zur Einheit verschmelzen würden.(...)
Der seit der Romantik geläufige Topos des Kristalls wurde zum
Symbol der kosmischen Harmonie«.
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Schnee
und Eiskette am Monte Rosa, Zeichnung von B. Taut |
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| Alpine
Architektur |
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Vorweg: die Alpine Architektur ist kein Plan zur Bebauung der
Alpen, - sie ist vielmehr eine Idee, ein Gedankenexperiment ohne
konkreten Handlungsbedarf. In der Beischrift weist Taut selber darauf
hin: »Wir müssen immer das Unerrei-
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chbare kennen und wollen, wenn das
Erreichbare gelingen soll «. Es ist der Versuch einer
Befreiung des Menschen, durch Form, Licht und Farbe hin zu einem
harmonischen, kosmischen Wesen.
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»Kosmos , das heisst im Griechischen sowohl "Schmuck" als auch
"Ordnung". Taut predigte einen säkularen Glauben« , so
der Autor Matthias Schirren, »der abzielte auf den Einklang von
Natur und Menschenwerk im Rahmen einer höheren Ordnung, die
man tatsächlich "kosmisch" nennen könnte«. Er wollte
im Gegensatz zu den "Sozialreformern" keine Formung durch eine angeordnete
"idealen Gesellschaft", sondern die Befreiung des Menschen quasi
aus und durch sich selbst. Dieses Projekt hat einen durchaus utopischen
Charakter: der Pazifist Taut nimmt den Betrachter und Leser mit
in eine Welt des Schönen und des Friedens.
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Diesen Frieden sah Taut in einer gigantischen Gemeinschaftsinitiative
aller europäischen Völker: die Verwandlung der Alpen in
eine Kunstlandschaft. Trotz der Überschreitung nationaler Grenzen
und der dadurch verhinderten Kriege , versteht er seine Bauten als
"unpraktisch und ohne Nutzen, gleichsam als gigantisches Land-art-Projekt"
(Hubertus Adam).
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Die Kugeln! Die Kreise! Die Räder! (Bild 28) |
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Die Dekoration der Erde ist Absicht und Bestimmung der "Alpinen
Architektur". Taut schreibt ihnen sogar eine heilende Kraft zu:
die durch Luftschiffe in die Bergwelt beförderten Menschen
werden durch den Anblick all dieser Herrlichkeit von ihren Krankheiten
geheilt.
Im den ersten drei Teilen des Buches beschreibt Taut die bebauten
Alpen. Kristallhäuser, gigantisch gross, in ihren innerem labyrinthisch
und traumhaft. Der Mensch soll verstummen angesichts der
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Herrlichkeit, sich ganz dem Gefühl
überlassen. ("Kristallhaus im Gebirge", Blatt 3). Weitere Bilder
zeigen Szenerien der bearbeiteten Natur, der transformierten Berge.
Schliesslich ergreifen die Berge selbst das Wort, Monte Rosa, Rosengarten
und Wetterhorn sprechen: » Die Felsen leben. Sie sprechen: Wir
sind Organe der Gottheit Erde - aber ihr Würmer- ja- ihr seid
es auch. Ihr Hüttenbaukünstler werdet erst Künstler!
Baut uns! Wir wollen nicht bloss grotesk sein, wir wollen schön
werden durch den Menschengeist. Baut die Weltarchitektur!« (Blatt
13)
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In dem folgenden vierten und fünften Teil der "Alpinen Architektur"
offenbart sich der utopische Charakter des Werkes noch deutlicher.
Der Betrachter erhält aus der Perspektive eines Luft- oder
auch Raumfahrers einen Blick auf die Erdoberfläche, um dann
gleichsam über das Erdhafte in die astrale Sphäre zu gelangen.
Hier bewegen sich architektonisch transformierte Himmelskörper
wie "Domstern", "Gottesstern" oder "Sternennebel", die irgendwo
in der Unendlichkeit durch den (trautschen) Kosmos schweben. Im
letzen Blatt dann die Leere, die absolute Transzendenz. "Sterne
Welten Schlaf Tod Das Grosse Nichts Das Namenlose", Entgrenzung.
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1921 bis 1924 arbeitete er dann als Stadtbaurat in Magdeburg. 1924
bis 1932 war Taut als beratender Architekt der GEHAG (Baugesellschaft
für gemeinnütziges Bauen) in Berlin-Zehlendorf tätig,
von 1931 bis 1932 hatte er eine Professur an der Technischen Hochschule
in Berlin-Charlottenburg inne. 1932 ging Taut nach Moskau, nach
1933 arbeitete er in Japan. Seit 1936 lehrte er an der Akademie
in Istanbul . Er starb am 24. Dezember 1938 in Ankara.
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Quelle:Internet; Berge 1/02,- Matthias Schirren: Bruno Taut: Alpine
Architektur A Utopia - Eine Utopie
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LINK
zun Thema |
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Seite mit allen 30 Zeichnungen, leider
teilweise in relativ schlechter Qualität.
Link:Alpine
Architektur
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