 Der Geist des Ortes
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OBEN | |
 | m oberen Teil des Rongbuk-Gletschers machte Charles Warren, Teilnehmer der britischen Mount Everest Expedition 1935, während einer Kletterpause eine grausige Entdeckung. "Ich sagte, hier gibt es ein Paar prima Lawrie-Stiefel und ein Zelt!", erin- | | nert sich Warren. Aus dem Eis des Gletschers ragte ein Stiefel und erst beim Nähertreten bemerkte er, das ein lebloser Körper war. Dieser Tote im Schnee war Maurice Wilson. | | Der 1898 in Bradford geborene Maurice Wilson, hatte in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges gelegen, bei Ypern das militärische Verdienstkreuz erhalten und eine MG-Salve überlebt, die bleibende Schäden im linken Arm verursachte. Nach einigen Jahren als Globetrotter, die ihn bis nach Neuseeland führten, erkrankte Wilson schwer. | | Er überwand die schwere Krankheit durch Fasten und Meditation, erkannte sich anschliessend als ein Werkzeug der göttlichen Vorsehung und hatte von nun an nur noch ein Ziel: die Ersteigung des Mount Everest. Ihm als Visionär fehlten zwar die nötigen Mittel, aber der Glaube an Gott und sich, sowie an die Kraft des Geistes würden diese materiellen Defizite ausgleichen. Seine Pläne und Visionen erschöpften sich nicht mit der Besteigung des Mount Everest, jenseits dieses Berges begann die Stratosphäre und in die wollte er mit einem von ihm gebauten Flugzeug aufsteigen. | | Maurice Wilson Mit einem gebrauchten Flugzeug, einer "Gypsy Moth", das er wortspielerisch "Ever-Wrest" (immer ringen) taufte, beabsichtigte er nach Tibet zu fliegen um dann an den Hängen des Everest möglichst hoch bruchzulanden, um anschliessend den Gipfel zu besteigen. Dass er bisher noch keinen Berg bestiegen geschweige denn ein Flugzeug geflogen hatte, tat nichts zur Sache. Entschlossen buchte er einen Pilotenkurs beim London Aero Club und baute Kondition durch lange Fussmärsche von London nach Bradfort auf, wo seine Eltern lebten. |  Maurice Wilson | | 1933 begann er sein waghalsiges Unternehmen mit dem Start des Fluges in England- nur zwei Wochen später landete er in Nordindien. Da ihm keine Erlaubnis erteilt wurde Nepal und Tibet zu überfliegen, musste er wohl oder übel seine Pläne ändern, was aber nichts an seiner Entschlossenheit, den Gipfel des Mount Everest zu erreichen, änderte. | | Er verkaufte seine Gipsy Moth, begab sich nach Darjeeling und machte sich mit drei angeworbenen Sherpas nach Tibet auf und erreichte im April das Rongbuktal. Mit dem Versuch, einen 45 Pfund schweren Rucksack in ein Lager am Berg zu bringen, begannen am 16. April die Vorbereitungen zur eigentlichen Besteigung. Stürme und Erschöpfung liessen ihn nicht einmal das obere Ende des Gletscher erreichen. Doch seine Entschlossenheit und der unerschütterliche Glaube an sich selbst blieben ungebrochen. "Ich weiss, dass ich es schaffen kann!" schrieb er in sein Tagebuch. | | In der Begleitung zweier seiner Sherpas, unternahm er achtzehn Tage später einen erneuten Versuch, zum Lager unweit des Fusses des Nordsattels zu gelangen. Trotz der Versuche seiner Sherpas, ihn zur Aufgabe zu überreden, unternahm er von hier erneut mehrere furchtlose Versuche, den Nordsattel zu überwinden. Am 31. Mai 1934 machte er die letzte Eintragung in sein Tagebuch: "Wieder geht`s los, herrlicher Tag". Es sollte sein letzter sein - er wurde nie wieder lebend gesehen. |  Die sterblichen Überreste von Wilson auf dem Rongbuk-Gletscher | Die Leiche Wilsons wurde von Charles Warren, Eric Shipton und Edwin Kempson 1935 gefunden und in einer Spalte, eingewickelt in sein Zelt, beigesetzt. Wilsons Tagebuch liegt heute im Alpine Club London. | | Aber immer noch gibt es einige Ungereimtheiten: Was passierte mit den in der Nähe campierenden Sherpas? Wie kam es, dass der zum Nordsattel wollende Wilson im Lager den Tod fand? |
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Nachdem ein Grossteil seiner Ausrüstung wie Rucksack und
Kocher gefunden wurden, stellt sich immer noch die Frage nach dem
Verbleib seines Schlafsacks. Auch heute noch bekommt der Bergsteiger
die sterblichen Überreste Wilsons zu Gesicht, die der Gletscher
regelmässig frei gibt.
Quelle: Internet; Peter Meier-Hüsing: Wo die Schneelöwen
tanzen.
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