 Der Geist des Ortes
| | |  OBEN | |  | 
| | Berg-Lyrik
| | Robert Gernhardt | | Gedichte / Berggedichte Ich schreib` sogern ein Berggedicht Wenn Dichter einen Ausflug machen Seh ich den Berg, seh ich auch sie Die Gemsen stehen wie gebannt
| | Ich schreib` sogern ein Berggedicht |  | | Ich schreib` sogern ein Berggedicht mit Pauken und Trompeten, von Gletschern, Klamm und Firnenlicht und der vom Wind verwehten Bergbäu`rin, die ich einmal traf, als sie der Jodler säugte, die Erwin , der Lawinengraf, nachts auf der Alm erzeugte, dann, wenn die Gräfin wie gewohnt das Matterhorn bemalte, indes ein weitentfernter Mond sein fahles Licht verstrahlte - das alles schrieb` ich gerne hin, doch muss ich`s leider lassen. In Worten gäb` das keinen Sinn; wie sagt man doch im Engadin? - : »`s ischt vèrbal nicht zu fassen« |  | | Wenn Dichter eienen Ausflug machen Ein Couplet |  | | Steigen und Schauen landab und landauf, Folgend der Sonne herrlichen Lauf, Grillen hinschmelzen, wenn Phoebus dir lacht -: Was hätte ein Goethe daraus gemacht! |  | | Mittagsstunde auf felsigen Stein. Mensch mit dem Blau und dem Adler allein. Ringsum September in südlicher Pracht-: Was hätte Nietzsche daraus gemacht! |  | | Sieh all das rot Dann sieh deine Hand. Spüre in allem den nämlichen Brand sehr grosse Flammen: Es sei vollbracht-: Was hätte Rilke daraus gemacht! |  | | Abstieg und Einkehr im schlichten Lokal. »Prego, die carta! Dann gucken wir mal: Ist das nun billig? Was hab ich gesacht?!« Das hätte Piefke daraus gemacht! |  | | Seh ich den Berg, seh ich auch sie |  | | Seh ich den Berg, seh ich auch sie, die diesen Berg gemalt hat, der taubensanft und pflaumenblau dermassen schön entrückt war, das sie den Pinsel sinken liess: »Wie soll man das da malen!« So, aufgebracht und angeregt, nahm sie die Arbeit wieder auf. |  | | Die Gemsen stehen wie gebannt |  | | Die Gemsen stehen wie gebannt, sie schauen starr und unverwandt hinunter auf des Försters Haus, der kam seit Tagen nicht mehr raus - sag warum? |  | | »Den Förster hat ein Weib becirct, das beider Suff durch Scherze würzt. Er folgt mit klebrigem Interesse auch noch den schalsten ihrer Späße-« Auch darum! |
 | | Quelle: Was der Berg ruft Das Buch der Gipfel und Abgründe Reclam Leibzig |  | | Über die Gedichte | | "Wir können Goethes, Schillers, Klopstocks Hinscheiden durchaus verschmerzen, solange nur Robert Gernhardt uns nicht genommen wird." Hubert Spiegel, FAZ "Von ringelnatzschen Gnaden." Christoph Hahn, Aachener Zeitung |  | | Über den Autor |
|
Robert Gernhardt (13. Dezember 1937 in
Tallinn, Estland; † 30. Juni 2006 in Frankfurt am Main/Lyriker,
Essayist, Zeichner und Maler.) übersidelte 1939 mit seiner
Familie nach Posen, wo der Vater 1945 als Soldat fiel. Im gleichen
Jahr floh die Mutter mit ihren Söhnen Robert, Per und Andreas
über Thüringen nach Bissendorf bei Hannover. 1946 kam
die Familie nach Göttingen. Nach Abschluß seiner Schulausbildung
1956 Studium der Malerei und Germanistik in Stuttgart und Berlin.
Gernhardt lebt seit 1964 in Frankfurt/M. Von April 1964 bis Dezember
1965 Redakteur von »pardon. die deutsche satirische Monatsschrift«,
seitdem frei-
|
|
beruflicher Maler, Zeichner, Karikaturist
und Schriftsteller. Gernhardt ist Mitbegründer von »Titanic.
Das endgültige Satiremagazin« und wird der sogenannten
»Neuen Frankfturter Schule« zugerechnet. Ausstellungen
und Ausstellungsbeteiligungen in Berlin, Frankfurt/M., Basel, Regensburg
u. a. Er ist Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. 1965 heiratete
er die Malerin Almut Ullrich, die 1989 starb. 1990 ging Gernhardt
eine zweite Ehe mit Almut Gehebe ein. Robert Gernhardt starb 30.
Juni 2006 in Frankfurt am Main
|  |  |  |
 | | © emmet 10-2002 | |