Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

OBEN
Prosa

Erklärungsversuche

Brenner zur Zeit Goethes.Kolorierter Kupferstich, 1792, von Cornelis Apostool


Johann Wolfgang
von Goethe

Im Gebirge







Die Kalkalpen, welche ich bisher Durchschritten, haben eine graue Farbe und schöne, sonderbare, unregelmäßige Formen, ob sich gleich Fels in Lager und Bänke teilt. Aber weil auch geschwungene Lager vorkommen und der Fels überhaupt ungleich verwittert, so sehen die Wände und Gipfel seltsam aus. Diese Gebirgsart steigt den Brenner weit herauf.
In der Gegend des oberen Sees fand ich eine Veränderung desselben. An dunkelgrünen und dunkelgrauen Glimmerschiefer, stark mit Quarz durchzogen, lehnte sich ein weißer, dichter Kalkstein, der an der Ablösung glimmerig war und in großen, obgleich unendlich zerklüfteten Massen anstand. Über demselben fand ich wieder Glimmerschiefer, der mir aber zärter als der vorige, zu sein schien. Weiter hinauf zeigt sich eine besondere Art Gneis oder vielmehr eine Granitart, die sich dem Gneis zubildet, wie in der Gegend von Elbogen. Hier oben, gegen dem Hause über, ist der Fels Glimmerschiefer. Die Wasser, die aus dem Berge kommen, bringen nur diesen Stein und grauen Kalk mit.
Nicht fern muß der Granitstock sein, an den sich alles anlehnt. Die Karte zeigt, daß man sich an der Seite des eigentlichen großen Brenners befindet, von dem aus die Wasser sich ringsum ergießen [...]

Quelle:
Italienische Reise
C. H. Beck

Über den Autor

Goethe

Am 28. August 1749 erblickte Johann Wolfgang von Goethe in Frankfurt das Licht der Welt. Die Familie war recht wohlhabend, und auf Wunsch des Vaters studierte Wolfgang in Leipzig und Straßburg Rechtswissenschaften. 1775 rief ihn Herzog Karl August an den Hof nach Weimar, wo Goethe Minister wurde. Seine erste Italienreise unternahm er 1786 - 1788 , 1790 besuchte er Italien zum zweiten Mal. 1804 wird Goethe zum Wirklichen Geheimrat ernannt. 1808 trifft er sich mit Napoleon in Erfurt, 1815 Ernennung zum Staatsminister. Goethe stirbt im Alter von 82 Jahren am 22. März 1832 in Weimar.

Bedeutende Werke:
· Götz von Berlichingen, 1773
· Die Leiden des jungen Werther, 1774
· Iphigenie auf Tauris, 1779
· Egmont, 1788
· Torquato Tasso, 1790
· Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795
· Faust Teil 1, 1808
· Westöstlicher Divan, 1819
· Dichtung und Wahrheit, 1811 - 1813
· Faust Teil 2, 1831
Der Dichter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann war ein reichbegabter Mensch, lebenslang vom Glück begünstigt. Als bekanntester Vertreter der Weimarer Klassik, war er Verfasser von Gedichten, Dramen und Prosa-Werken und gilt er als der große deutsche Dichter.





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