
Der
Geist des Ortes
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OBEN |
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Schwärmereien
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Gusto Gräser
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Berggedichte
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Das Berggespräch
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Als ich vom grauen Dorf dort unten schied,
da fühlt ich gleich: Hali, heut gibt's ein Lied!
Und sieh, mein Fühlen, wie es sich erfüllt:
"Ein Sang voll Sonne liegt's vor mir enthüllt,
Du ruhereiches, wildes Tal im milden Morgensonnenstrahl!"
Und meine Lippen bleiben nimmer zu, das halleschallt, o Wonne, Du
- Du - Du!
Von Fels zu Felsen zieht's mich, schaun und schaun,
wie magst Du doch, Natur, so Hehres baun!
Bin ich nicht Du? - Bist Du nicht ich? - Du rauhes Land, wie lieb
ich Dich!
Berg:
Ja, zieh nicht weiter, bist ja mehr kein Knab,
und leg zur Ruhe Deinen Wanderstab.
In meinem duftgen, urgeweihten Schoß,
da weile lange, weilend wirst Du groß.
Komm, lass die Flachheit, weit und breit,
sei mit mir Berg voll Heiterkeit! -
So'n Berg, mein Bester, hat es gut, hör zu,
wie das da herzescherzt in meiner Ruh -
spott's Thorheit Du, spott's grüne Jugendlust:
Blühende Weisheit springt aus Unbewusst!
Das hat so rein, so gar nichts vor, komm,
sei kein Narr, sei mit mir Tor!
Komm, gleich dem Baume, der ins Blaue wallt - -
sein Trieb urjung, sein Stamm urahnenalt - - -
ein stiller Held - so ragt er in das Licht -
ein sturmgeboren, erdenfroh Gedicht.
Entsprossen uraltewgem Grund tut er des Lebens Tiefen kund.
Schau hin und her, die Brüder, voll belaubt -
wie würdig tragen sie ihr grünes Haupt;
der rauhen Äste trautes Blätterdach,
das spendet Kühle Dir, brennt heiß der Tag.
Komm her ins Freihe, grün auch Du -
komm in der rauhen Recken Ruh!
Ich:
Ha, könnt ich nur - - -
lock mich nit gar zu sehr,
sonst wird verderblich mein zu heiß Begehr! -
Glimmt dort im Dorfe noch die heilge Glut,
dann schür ich sie, dann Berg, mein Berg, ist's gut:
Dann werd ich Walter Deinem Tal, in ihn zög nimmer ein die
Qual!
Die "Glut" im Dorfe hab ich wohl entbrannt -
drei Monde schaff ich wacker in dem Land -
was säumt nun müde meine Schafferhand?
- - - - - - -
Berg:
Bist Du's, Gesell? -
Du bist es, ja, fürwahr,
und dennoch bist Du's nicht, o sonderbar!
Bald sah ich Dich beherzt voll Jubelmut,
dann wieder schleichst Du wie ein Tunichtgut.
Bedauren? - Nein, das mag ein Kummerwicht,
betrübt's doch mehr uns nur das Innenlicht.
Doch hör mein Wort, ich sag's Dir aus dem Grund,
so glaub's, Gesell, verfrüht ist unser Bund - wie:
war umsonst? - O Du, umsonst ist bloß,
was nicht um Sonst geschieht, liebfreudelos!
Hast Du Dich nicht in meinen Grund versenkt?
Hab ich Dir nicht manch Schöpferglück geschenkt? -
Geh, manche Wonne, still und unbewusst,
trägst Du, ein Keim von mir, in Deiner Brust.
War nicht umsonst, wuchs doch manch trutzger Trieb -
doch jetzt genug, geh, such Dir bessre Lieb!
Du brauchst denn doch was andres für Dein Mühn als einen
Berg,
und mag er noch so blühn!
Brauchst Menschliches zu heimlichem Gebleib -
ja, Mann, zum Wurzeln brauchst ein Webeweib!
Ich hört Dich rufen jüngst: Für wen? Für wen?!
Ja, Freundchen, geh, geh miteinandergehn!
Jawohl, nur Tausch, nur innigliches Teil, nur mitzuleben ist des
Menschen Heil!
Fahr wohl, Gesell, und schaffst aus Zwei Du Drei,
heidie, komm wieder, bin da mit dabei!
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Der Freund
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Es wohnt ein Freund in unserem Erdenland,
ein Jeder liebt ihn, ob auch ungekannt.
Er wohnt geheim - als wie ein Bergebur,
fremd ihm kein Weg, kein Steg und keine Spur.
Ob keine Kunde seinen Namen spricht,
er lebt im Bunde, doch im Namen nicht.
Baut immerzu sein räumereiches Haus,
er baut und baut - und baut es nimmer aus!
Und ob der Wonnen in den Wänden drinnen tun
all die Jahre wie ein Tag verrinnen.
Zu seiner Türe führt ein schmaler Pfad -
wohl Dir, wohl Dir, der ihn gefunden hat!
O Wandrer, Wandrer, hör und kehr zum
Freund,
der es mit Jedem o so freundlich meint!
In dunklen Wäldern, harten Felsengründen -
suchst Du mir treu - siehst Du den Pfad sich winden.
Und zage nicht, wenn Du ihn auch verlierst,
und wag und glaub, daß Du doch finden wirst.
Wenn Deinen Augen auch entgeht der Pfad,
getrost, oh Wandrer, halt nur immer grad!
Es ziehn ja Manche durch das Erdenland,
all denen wohl vom Freunde was bekannt.
Vermagst Du nur zu horchen, mehr als fragen,
wird mancher Dir vom Freunde wohl was sagen!
Doch merke, Wandrer, dem der Freund vertraut,
der ihn Dir deuten kann, der ist nit laut.
Jah, tapp nur tapfer durch das dunkle Land!
Wirf fort den Stab, laß fahren den Verstand!
Durch all das Dunkel, horch, ein lichter Laut!
Gehorch ihm nach, allwo Dein Tag Dir blaut!
Wo drin in heilig stiller Heimlichkeit,
in allem Wandel treu, der Freund bereit,
in Wetterwüten und in Sonnenglühen,
bei seinem Bäumen, die im Sturm erblühen.
Und kommst Du hin mit treuem Tritt gewallt,
heih, winkt sein Weiler aus dem wilden Wald!
Dann tut sich auf die grünumtraute Tür und
sonnig tritt der Freund herfür.
Und tritt Dich an: Da Du es bist, willkommen!
Du bist es, jah, denn Du bist unbeklommen.
Tritt ein, tritt aus, und bleib, geh, bleibe hier,
hier wo wie Welt wallweilt, hier, Freund, bei DIR.
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Quelle:
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung
von Hermann Müller.
Informationen
zu Gusto Gräser, Leben und Werk.
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Über den Autor
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Geboren am 16. Februar 1879 zu Kronstadt
in Siebenbürgen, gestorben am 27. Oktober 1958 in Freimann
bei München. Im Herbst 1900 begründete Gräser mit
Freunden die Reformersiedlung auf dem Monte Veritá bei Ascona,
die zur Keimzelle der ersten Alternativbewegung wurde. Jahrzehntelang
warb er durch "öffentliche Gespräche" in deutschen Großstädten
für eine kulturelle Umkehr. Er hinterließ ein dichterisches
Werk, das Ursymbole der Menschheit zu neuem Leben
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erweckt. Sein Bild lebt weiter in Dichtungen
von Hermann Hesse, Gerhart Hauptmann, Bruno Goetz und anderen.
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Das BUCH
zun Thema
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| NEUERSCHEINUNG
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Gusto Gräser. TAO. DAS HEILENDE
GEHEIMNIS
Hermann Müller (Hrsg.)
Übersetzungen des Tao Te King gibt es zu Dutzenden. Meist
sind sie nebulös und kaum verständlich, weil sie sich von
der Denkwelt des Chinesischen nicht lösen können. Gusto Gräser,
selbst Einsiedler und Erdenwanderer in härenem Gewand, konnte
aus eigener Erfahrung schöpfen und so eine Nachdichtung schaffen,
die nicht an Worten klebt sondern aus dem Geist des TAO lebt.
Durch ihn und in ihm ist der Chinese Laotse ein Deutscher
geworden.
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Gräsers Nachdichtung überzeugt durch
die Klarheit und Einfachheit der Sprache, durch ihren würdevollen
Gang und ihr kraftvolles Pathos. Der Sinn wird sinnlich, wird
hörbar, plastische Poesie. Die Weisheit des Chinesen bleibt
nicht länger eine ferne Sage, sie wird Forderung des Tages,
Anruf und Mahnung zur Wandlung. Wir sind gemeint, Menschen
des 21. Jahrhunderts. Die Gelehrsamkeit fällt weg, das Wort
des großen Alten wird wieder jung. Gräser war ein Wanderer,
lebte auf und von der Straße, schlief in Wäldern, wohnte in
Felshöhlen. Der frische Wind seines sturmbewegten Lebens fegt
den Staub vom vergilbten Pergament.
Broschur,
106 Seiten
ISBN: 978-3-937726-04-5
EUR
14,00
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Gusto Gräser. ERDSTERNZEIT
Hermann Müller (Hrsg.)
Der Monte Verità bei Ascona, von Gusto Gräser mitbegründet,
wurde zu Beginn des Jahrhunderts ein geistiges Zentrum, das
schöpferische Kräfte aus ganz Europa an sich zog. Jahrzehntelang
hat der "Stromer", der "Vagabund", der "lachende Siebenbürger"
in deutschsprachigen Großstädten "öffentliche Gespräche" abgehalten,
hat auf Spruchkarten und Flugblättern, vor allem aber im Gespräch
seine Mitmenschen aufzurütteln versucht. Seine Gedichte wollten
nicht "Kunst" sein, sind immer Ansprache und Mahnung.
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Sein Lebenswerk ist ungedruckt geblieben.
Seine Zeitgenossen kannten nur Bruch-stücke, Vorläufiges,
Zufälliges. Heute erst, mit dieser Auswahl, hat der Leser
die Möglichkeit, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Besser
aber: teilzuhaben an einem Vermögen, teilzunehmen an einer
Befreiung. Es handelt sich um eine Auswahl, eine Zusammenstellung
von Gedichten und Sprüchen, wie sie der Dichter selber nie
gegeben hat und wohl nie gegeben hätte. Gräser hat seine Goldkörner
zwischen Sand und Kiesgeröll vergraben. Sie auszusieben und
blankzureiben wäre ihm als Verzerrung der Wirklichkeit erschienen,
der Wirklichkeit, die immer auch banal, unrein, gemischt und
schlicht alltäglich ist. Mit wunderlicher Fremdheit schauen
uns diese Texte an, lassen uns zurückschaudern vor so viel
brausender Bejahungskraft.
Broschur,
160 Seiten
ISBN: 978-3-937726-02-1
EUR
15,00
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Reinhard Goering - ein Unbekannter
auf dem Berg der Wahrheit
Frank Milautzcki
Die entscheidende, als expresionistisch geltende Schöpfungsphase
des Dramatikers Reinhard Goering (1887-1936) wird gespeist
aus einer Quelle, die man in der Literaturwissenschaft bislang
fast völlig übersah: dem Berg der Wahrheit oberhalb Asconas
- dem Monte Verità. Der Dichter der "Seeschlacht" suchte während
des ersten Weltkrieges viele Jahre lang diese Landschaft auf,
um zu sich selbst und zu seinen Dichtungen zu finden.
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Paperback, 56 Seiten mit 10 Abb.,
EUR 7,50
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zur Zeit nicht
lieferbar - NA 2008
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Gusto Gräser. Aus Leben
und Werk
Hermann Müller (Hrsg.)
Wer offenen Herzens Gusto Gräser
begegnet, der lernt einen Menschen kennen, dessen Reinheit,
Wahrhaftigkeit und Mut, unbestritten und unbestreitbar sind.
Der Kulturhistoriker Martin Green sieht ihn als den 'Gandhi
des Westens', als das "europäische Gegenstück"
zum indischen Symbol gewaltlosen Wiederstandes.
Er selbst verstand sich schlicht als den "Freund",
der die Men-
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schen an ihr tieferes Selbst erinnert.
Durch seine Gründung Monte Verita bei Ascona hat Gräser
einen Ort geschaffen, der heute als "Anfang der Gegenkultur"
(Green) bzw. "zentrales Versuchsfeld für alternative
Lebens-formen" (Frecot) erkannt wird.
Die dokumentarische Biographie "Aus Leben und Werk" zeigt
die Stationen seines abenteuerlichen Lebens, den Leidensweg
eines Mannes, der als Vorbild wie als Dichter einem neuen
Naturverhältnis des Menschen die Bahn gebrochen hat.
Paperback,
142 Seiten mit zahlr. Abb.,
ISBN: 3-924275-16-6
EUR 15,00
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Weitere
Bücher über Heilige Berge finden Sie im:

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© emmet - 2007
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