Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

OBEN
Prosa

Von Älplern und Älplerinnen




Hans Haid

Dorfbilder

die größte Garage im Lande
haben sie sehr laut geschrien
vorne dran Süßigkeiten
dahinter die goldenen
Melkmaschinen
...
 di greaschte garaasch vön lonte hoobmse wöltan laute gschriirn vöer virha zuggrien drhintr drhintr guldane malchmaschiinen
   FÜNFTAUSEND DAVON VIERHUNDERT BUSSE ALLES HINEINGESTOPFT GEMÄ-STET GELOCKT & GEMOLKEN
sollen nur kommen und hinein Hosen herunter Kittel herunter
Geldbeutel heraus
 selln lei keemen und innhn höösen oaha kiitl oaha galtbeitl virha
... DIE PEITSCHE DER HERR VOR-STANDSDIREKTOR DIE AMTS-KAPPE
einen Jauchzer das Loch zu
 an juchzar is loch züe
... ACHTZIG PROZENT ABGELIE-FERT BLEIBT IMMER GENUG GOTTES LOHN IM SCHNEE-HIMMEL DAS PARKHAUS MITTEN DRIN DAS GRÖSSTE HERRGOTTSSCHNITZERKREUZ DES LANDES
dann geht nur verschwindet macht euch durch das Tal davon  geat lei außn vrschwintet
mochet enk außn ge toole
... IN DER CITY GEHÖRT JETZT ALLES DEN GLETSCHERHERREN
gieriges Horchen und Melken und Erbrechen VERGELTE ES GOTT  gegaamriges löusnen & malchn & schpeibm VRGALTSGÖTT
...  GELERNT IST GELERNT
 

Hans Haid

Vom Gemeinnutz & Eigensinn

 

"So hetzte man Nachbar gegen Nachbar, tötete allen Gemeingeist und baute Ordnung und Recht auf schäbigen Eigennutz, den saftlosesten aller menschlichen Fehler. Keiner traute dem anderen, denn alle waren durch die geistliche und weltliche Regierung zu Aufpassern und Angebern gemacht, so daß die Tüchtigsten sich scheu abschlössen und dem Volk die beste Kraft verloren ging, wo sie sich nicht seiner Entwicklung feindlich gegenüberstellte."

Zwischen 1839 und 1869 erfüllte sich ein kurzes, aber reiches Leben. Franz Michael FELDER aus Schoppernau im Bregenzerwald ist Pionier der heutigen Bewegung rund um Eigensinn, Gemeinnutzdenken, Direktvermarktung,Selbstversorgung, nachhaltiger Entwicklung. Sein sozialreformerisches Konzept baut auf Engagement und Selbsthilfe.
Die letzten Monate haben es wieder bewiesen. Bergbauernbetriebe in den Alpen mit unter 5 ha kommen EU-bedingt unter Druck. Keine Hilfe kommt von Landwirtschaftskammer und Landwirtschaftsminister. Das Absterben dieser schindenden und geschundenen Spezies ist programmiert.
Die letzten Jahre haben es bewiesen. Die Vorreiter und Pioniere, die pfiffigen Bäuerinnen und Bauern der ersten Versuche von BIO und DIREKTVERMARKTUNG haben in der ersten Phase weder ideologische noch finanzielle Hilfe von Bauernpolitikern, Gemeindepolitikern, Landeshauptleuten, Raiffeisen &. Co erhalten. Diese ersten Pionierjahre ab etwa 1978, teilweise bis zu Beginn der neunziger Jahre, waren durch amtliche und halbamtliche Diskriminierung gekennzeichnet. Das Los der "grünen" Spinner und Grünzeugfresser erhielt erst ab 1995 eine entscheidende Wandlung. Die Trendwende ist eingetreten. Trotzdem gilt weiterhin: die schönen Sprüche der Bauernzeitungen und Schönwetterbauern-Politiker stehen verkehrt proportional zu den Realitäten. Von den Zeiten FELDERS bis heute hat sich grundsätzlich nichts geändert:
"Ich sah das Volk einem Tiere gleich von den gemein-sten Leidenschaften gefesselt und geführt. Von den Kanzeln aus hörte ich den Schacher mit Gott predigen... Überall sah ich das Volk gedrückt, und meine Verbitterung richtete sich mehr und mehr nach oben."

Quelle:
Stadel, Alm & Gaudi
Hans Haid
Edition Löwenzahn

Über den Text

"Hans Haids Gedichte sind wie tibetanische Gebetsmühlen, ununterbrochen beschwören sie das Land und die Götter von der Einheitspartei, doch etws Frieden in diese Freizeithektik zu blasen. Aber wie bei echten Gebeten, bläst der Wind alles fort, was nicht mit festen Buchstaben gedruckt ist." Blickpunkt Imst

 

Über den Autor

Hans Haid, geboren 1938, ist Volkskundler, Mutmacher, Organisator, Bergbauer und Schriftsteller, stets ein Mahner für die Erhaltung der kulturellen Umwelt des von einseitigen Wirtschaftsinteressen und touristischem Ausverkauf bedrohten "Älplers". Erlebt auf dem 1680 m hoch gelegenen Bergbauernhof Roale im Ventertal.

 





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