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Auf Wengernalp lebte einst eine ganze Riesenfamilie:
Vater, zwei Söhne und eine Tochter. Als der Vater noch jung und
die Kinder noch klein waren, vertrugen sie sich mit den Menschen,
ja, sie standen mit ihnen auf gutem Fuße. Mit zunehmendem Alter
jedoch wurde der Riesenätti wunderlich und ungesittet, wollte mit
niemand mehr gut Freund sein und hatte stets Lust, mit allen Leuten
Streit anzufangen und mit grober Faust dreinzuschlagen. Die Kinder
waren von seiner Art, wurden igelstachlig und nahmen auch gar leicht
üble Launen an. Wer über die Wengernalp musste, ward von den Bösewichtern
geplagt, die selbst vor der ärgsten Missetat nicht mehr zurückschreckten.
Einmal kam ein armes, altes Manndli in schäbigen Grißhosen über
die Scheidegg und bat die reichen Riesen auf Wengernalp um einen
Trunk Milch. Doch sie fuhren es hart an, sie hätten hier oben keine
überflüssige Milch, ein solcher Schlufi solle Wasser saufen, wenn
ihn der Durst quäle. Das Männchen aber war kein "Chlupfhans" sondern
rief ihnen zu, es möchte lieber unter einem Schopf neben einem Wespennest
als in ihrem großen Haus neben ihnen leben. Da wollten sie ihm an
den Kragen. Allein sie kamen an den Unrechten, denn das alte Manndli
war ein Berggeist und stärker als alle Riesen der Welt. Es tat einen
fürchterlichen Schwur und verkündete mit Donnerstimme: "Hart seid
ihr, und ihr sollt noch härter werden!" Siehe, da begann die Sippschaft
der bösen Riesen mit einem Mal zu wachsen, hoch und immer höher!
Und sie wurden zu Fels und Eis - der Vater zum Eiger, die Söhne
zum weißen und schwarzen Mönch und die Tochter zur Jungfrau.
(Sage aus dem Berner Oberland)
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