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Mit einem mächtigen Satz rettete er sich
aus dem Strom. Strom nannte er das reißende Wasser. Ein Menschenkind
hätte den Strom mit einem Fuß überbrückt. Er war eben nur ein kleiner
Gletscherfloh. Das eisige Bächlein auf dem Rücken des aperen Gletschers
hatte ihn fortgeschwemmt, wie er gerade mit seinem Vater einen Morgenhupf
unternahm.
Jetzt klammerte er sich so gut es ging an einen Eiskristall. Der
war kaum größer als er selbst. So einsam und so knapp dem Tod entronnen
er nun war, hatte er doch nur zu bald seine gesunden Sinne wieder
zusammengerafft und war der Alte - ein Wichtigtuer und Prahlhans,
wie die meisten Gletscherflöhe es sind.
Keck tat er wieder seine Sprünge, neckte und hänselte frech seine
alten Nachbarn, die glänzenden Eiskristalle. Er redete sie mit "wertlose
gefrorene Tröpfe" und andern Schimpfnamen an. Da sehe man nur, was
so ein elendes Eiskorn kann! (Nicht einmal ihren rechtmäßigen, poetischen
Namen Kristall gönnte er ihnen.) Kaum recht bewegen könne es sich;
vom kunstvollen Hüpfen und Springen der Gletscherflöhe gar nicht
zu reden. Diese seine vom Vater geerbte Fortbewegungsart hielt er
für das Vollkommenste auf der Welt. "Da, staunet nur, ihr elenden
Wichte", und schwupps schnellte er in einem einzigen Satz über sechs
Dutzend seiner stummhockenden Nachbarn weg. Tag für Tag trieb er
es ärger und seine Neckereien, und Gemeinheiten folgten sich wie
die Tropfen im Gewitterregen. -
Ganz selbstverständlich, daß die Gefoppten die ewigen Sticheleien
endlich satt hatten. Die beleidigten Eiskristalle klagten ihren
Zorn den nächsten, und diese den hintern, bis es die fernsten wußten.
Ein wilder Rachedurst ergriff auf einmal das sonst so sanfte Volk.
Sie sollten sich nicht bewegen können, sie, die einmal in ihrer
Jugend so fröhlich aus den Wolken tanzten!
Hoch oben über dem Gletscher wohnten die Halbbrüder der Eiskristalle
- die Schneekristalle. Sie waren ein stolzes, freies Trüppchen und
hielten gute Freundschaft mit ihren Genossen der Tiefe. Denn hie
und da geschah es, daß es einem von ihnen in der stillen Höhe zu
langweilig wurde. Dann hüpfte er in lustigem Sprung zu seinen Talbrüdern
hinunter. Da war er natürlich froh, gut empfangen zu werden. Daher
die Kameradschaft. Sie ging bis aufs Blut.
Wie nun die droben das laute Wehklagen und die Hilferufe von drunten
vernahmen, waren sie sogleich bereit, ihren Halbbrüdern zu helfen.
Es war stockfinstere Nacht. Sausend und brausend mit "haila ssu
ssu" stürzen sie plötzlich sich alle zusammen laut heulend hinunter,
Milliarden geeint und verbündet.
"Sie könnten sich nicht bewegen", hatte der Gletscherfloh gesagt.
Der Hochmütige schlief eben unter einem Stein. Jetzt hüpfte er,
ängstlich erwacht, eiskristallhoch, dann -
Die Brüder aus der Höhe liegen todmatt und zerschlagen auf dem Eis
- ein Opfer ihrer guten Kameradschaft. - - - Hörst du das Summen,
das feine Summen? Aus der Tiefe des Eises dringts. Es raunt nach
der Oberfläche, es raunt vom Eis zum Schnee. Milliarden kleiner
Eiskristalle jubeln froh: "Endlich ist er tot, der freche Gletscherfloh."
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