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Rund um den Nanga Parbat - den dritthöchsten
Berg der Welt - lebten viele Feen. Sie wohnten in Gletschern und
Höhlen, in Wäldern und Seen und spielten auf den Wiesen. Von den
Feen hat wohl die Märchenwiese, "die Feenwiese", am Nanga Parbat
ihren Namen bekommen. Manchmal erschienen die Feen als Tauben, dann
wieder als schöne junge Mädchen oder als Katzen.
Bereits lange bevor das kleine Bergdorf Astor, das wie ein Adlerhorst
auf einer Bergseite sitzt, existierte, und bevor sich die ersten
Menschen dort niedergelassen und Hütten gebaut hatten, kamen dann
und wann Männer bis hin zum Rama-See am Fuße des Nanga Parbat.
Der See war immer ruhig und lag glatt wie ein Spiegel da. Nur hin
und wieder rollten kleine Wellen kräuselnd zu den grünen Ufern und
bespülten die Steine. Das änderte sich aber im Nu, sobald die Männer
die Höhe erreicht hatten und vor dem See standen. Orkanartig brach
es los. Das Wasser kam in Bewegung. Gewaltige Wogen türmten sich
auf und durchwühlten den See. Das ohrenbetäubende Rauschen und Schäumen
wurde immer stärker, bis es fast unerträgliche Ausmaße annahm.
Wie auf einen Schlag stiegen dann an den entgegengesetzten Seiten
des Sees riesengroße Katzen aus dem Wasser und stürzten aufeinander
los. Der Anblick und der Lärm des Zweikampfes war so schrecklich,
daß niemand ihn lange aushalten konnte. Die meisten, die das sahen,
erstarrten und starben auf der Stelle. Nur solche Männer ertrugen
den Anblick und blieben am Leben, die den Mut und die Tapferkeit
von Helden besaßen.
Die zwei Riesenkatzen vom Rama-See aber waren Feen, die den Nanga
Parbat und seinen See bewachten als "Heiligen Ort", den niemand
betreten durfte.
Legende aus Gilgit/Pakistan
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