Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

OBEN
Prosa

Berg-Lyrik


Navajo-Berggesang

Schnell und weit reise ich.
Schnell über den Regenbogen.
Schnell und weit reise ich.
Siehe dort drüben die heilige Stätte!
Fürwahr, schnell und weit reise ich,
Zum Sisnajinni und weiter.
Fürwahr, schnell und weit reise ich,
Zum Häuptling der Berge und weiter.
Fürwahr, schnell und weit reise ich,
Zum ewigen Leben und weiter.
Fürwahr, schnell und weit reise ich.
Zur unveränderlichen Freude und weiter.
Fürwahr. schnell und weit reise ich.

Heimwärts werde ich nun reisen.
Heimwärts über den Regenbogen.
Heimwärts werde ich nun reisen.
Siehe dort drüben die heilige Stätte!
Fürwahr, heimwärts werde ich nun reisen.
Zum Sisnajinni und weiter.
Fürwahr, heimwärts werde ich nun reisen.
Zum Häuptling der Berge und weiter.
Fürwahr, heimwärts werde ich nun reisen.
Zum ewigen Leben und weiter.
Fürwahr, heimwärts werde ich nun reisen.
Zu unveränderlicher Freude und weiter.
Fürwahr, heimwärts werde ich nun reisen.

W.Y. Evans-Wentz, Cuchama aus:The Indians` Book

 
Navajo

Quelle:
W.Y. Evans-Wentz
Cuchama
Sphinx-Verlag (vergiffen)

Über die Gesänge

Die Berggesänge der Navajo-Indianer werden mit ihren einem Mantra ähnlichen Tonschwingungen zur Heilung von Krankheiten benutzt, wobei die Bedeutung eines Liedes teilweise nur von den Medizinmännern verstanden wird. Ein Sänger der Navajo erklärte den Gesang folgendermassen: "Das Lied, das ich singen werde, ist ein heiliger Gesang. In alten Zeiten war dies der erste Gesang, denn ein Knabe sollte diesen Gesang vor seinem Eintritt ins Erwachsenleben kennen."

Über die Navajo

Die Navajo nennen sich selbst Diné - "das Menschenvolk". Das Wort Navajo entstammt der Tewa-Sprache: navahuu bezeichnet ein bestelltes Feld in einem Arroyo (Trockental). Die Pueblo-Indianer und spanische Chronisten vom Beginn des 17. Jahrhunderts unterschieden die Navajo von anderen Apachen westlich und südlich des Rio Grande, weil sie "ganz ausgezeichnete Bauern" seien. Diese landwirtschaftlichen Leistungen wurden 150 Jahre später auch in den Berichten der US-Armee erwähnt. Die Diné, die zur Athapasken-Sprachfamilie zählen, waren erst in jüngster Zeit vom nordwestlichen Teil des Kontinents eingewandert, hatten sich im 15. oder 16. Jahrhundert - gerade bevor die Spanier im Südwesten ankamen - auf dem angestammten Land der Hopi, Zuñi und Pueblo niedergelassen und paßten sich schnell an. Unter dem massiven Druck spanischer Missionare wurde aus dem ehemaligen Nomadenvolk eine Nation von Schafhirten. Die Diné übernahmen die neue Kultur, legten Gärten und Obsthaine an, bauten große Schaf- und Ziegenherden auf und webten Kleidung und Decken, in denen sich ihre Kultur widerspiegelte.



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