 Der Geist des Ortes
| | |  OBEN | |  | 
| | Erklärungsversuche
| | Johann Jakob Scheuchzer | | Über die besondere Beschaffenheit der Schweizer Luft Theorie über die Entstehung der Alpen Von der Kälte, welche den Bergreisenden beschwer- und schädlich ist | | | | Über die besondere Beschaffenheit der Schweizer Luft, 1716 | | Das sogenannte Heimweh, eine seltsame und gefährliche Krank-heit, welche die Schweizer in fremden Landen ausstehen müssen, [habe ich] vornehmlich von der Beschaffenheit der schweizeri-schen Luft und demselben Abänderung hergeleitet. Es muß gewißlich D. Georg Detharding in seiner Disp. "Von der gesunden Luft zu Rostock" unser Schweizerland kaum durch ein Fernglas gesehen haben, wenn er pag. 32 das Heimweh der Schweizer herleitet von unserer langen Gewohnheit an eine unreine, in den Bergen eingeschlossene Luft. Wohl könnte diese Ursache Platz finden bei einem Rostocker oder Holländer, wenn der aus seiner dichten unreinen Seeluft sich würde begeben in unsere schweizerischen Gebirge und da unsere ohne Zweifel reinste Luft von ganz Europa in sich schlucken ... Es sind die Schweizer diesfalls unglücklich, daß ihr allzu reine und subtile Luft (welche einer gröberen, höheren, dichteren, stärker drükkenden, sonderlich niederländischen Meerluft nicht widerstehen kann) sie in höchstgefährliche Fieber stürzt; und alle tiefer liegenden Nationen glücklicher, welche in der Schweiz reisen können ohne Gefahr des Heimweh: Wir müssen bei ihnen ausstehen eine allzu starke Zusammendrückung sonderlich der kleinsten Blutgefäße und darauffolgende Hinderung in dem Kreislauf der Säfte; dahergegen die Holländer, Franzosen, Deutsche und Italiener in unsere Land mit sich bringen eine zusammengepreßte Luft, welche sich in unserer subtilen Luftsphäre in allen Äderlein ausdehnt, wodurch aber die Bewegung aller Säfte mehr befördert als verhindert wird. | | | | Theorie über die Entstehung der Alpen, 1716 | | Die eigentliche Zeit, in welcher unsere jetzigen schweizerischen und alle ändern Gebirge entstanden, ist die Sündflut. Zu diesen Gedanken fuhrt mich nicht eine eingebildete Hirn-Grundlehr oder ein in der Natur unbegründetes System, sondern die Natur selbst: die Gestalt der Berge, Abteilung in gewisse gebrochene Strata oder Lager und in diesen Lagern, ja in den härtesten Felsen eingeschlossen liegende undisputierliche Überbleibsel der Sündflut: Schnecken. Muscheln, Fische. Kräuter etc. ... Nachdem aber auf Gottes Befehl gegen dem Ende der Sündflut die oberen Erdlager, gleich als ob es Eierschalen wären gewesen, gebrochen und emporgehoben worden, sind die Berge entstanden und die Täler. Es hat die Erde unzählig viel Spalten bekommen, und sind die Wasser wiederum wie ehemals in der Schöpfung "gesammelt worden an ein Ort" (Gen. L 9.), nämlich um die Meere und den Abgrund, "daß es trocken ward" und also die Erde in einen bewohnbaren Stand gesetzt worden. | | | | Von der Kälte, welche den Bergreisenden beschwer- und schädlich ist | | Wer in solchen Bergreisen, oder sonst kalter Luft, seinen eigenen oder anderer Gefährten Leib gesund erhalten will, der muß vor allem dahin bedacht sein, daß er um den Leib her seine ausdämpfende Wärme behalte, damit sie nicht zerfliege, und zu dem Ende alle Glieder des Leibs mit dicken Kleidern und Pelzwerk wohl verwahren, insbesondere die Brust mit Papier und Pergament oder Leder einfassen ... Und es berichtet Hornius Arca Mos. P. 174 daß [es] , den Reisenden gut [sei], wenn sie in grimmiger Kälte das männliche Glied in vielfaches Papier einwickeln, und also vor der Erfrierung, welche dort mehrmalen anfangen soll, bewahren. | | | | Über den Autor | |
Der 1672 gebohrene Polyhistor Johann Jakob
Scheuchzer studierte anfänglich Medizin und widmete sich mathematischen
und astronomischen Studien. Daneben befasste er sich mit Botanik,
Anatomie und sammelte Fossilien. Durch sein erstes Werk über
fossile Pflanzen ("Herbarium diluvianum", 1709) wurde Scheuchzer
zum Begründer der Paläobotanik. Scheuchzer gilt als der
Begründer einer breit abgestützten, wissenschaftlichen
Landeskunde, die auch Geschichte, Geographie und Ethnologie umfasst.
Die Grundlagen
| | dazu schuf er sich 1702-11 mit neun grossen Alpenreisen, deren Ergebnisse er ab 1705 in der eigenen Wochenschrift "Seltsame Naturgeschichte des Schweizer-Lands" publizierte. Er starb im Januar 1733. |
 | | © emmet 2-2003 | |