
Der
Geist des Ortes
|
|
|

OBEN |
|
 |

|
|
Erklärungsversuche
|
|
Josias Simler
|
|
Tlt
|
| |
|
Der Name "Alpen", 1574
|
|
Es ist anzunehmen, daß man jenen hohen
Gebirge, das Italien von Gallien und Germanien scheidet, den Namen
Alpen wegen der blendenden Weiße gegeben hat, die der ewige Schnee
ihren Zinnen verleiht. Tatsächlich gebrauchten die Sabiner, wie
Festus Pompejus berichtet, den Ausdruck Alpum, den die Römer später
in Album (weiß) wandelten, daher die Bezeichnung Alpen ...
Isidoris hingegen behauptet, daß der Name Alpen keltischen Ursprungs
sei: "Die eigentlichen Alpen", berichtet er, "sind Berge Galliens;
Virgilius nennt sie "Aerias Alpes", und wenn er sagt "aerias", so
hat er das Wort buchstäblich übersetzt; denn Alpes bedeutet im keltischen
hohe Berge und es sind damit diejenigen gemeint, die den Schutzwall
Italiens bilden."
|
| |
|
Wo die Namen der Alpengruppen herkommen, 1574
|
|
In den Alpen selbst haben die einzelnen
Gruppen verschiedenartige Namen erhalten: mehrere, wie die Berge
des Jupiter und Mars, tragen den Namen des Gottes, dein sie geweiht
sind; auch der Pennin ist, wie Livius sagt, nach dem Gotte Penninus
benannt; auch heutzutage bezeichnet man den Gr. und Kl. St. Bernhard,
den St. Bernhardin, den St. Dionysius, St. Gotthard, St. Barnabas,
den St. Braulius usw. mit den Namen von Heiligen. Denn wie wir schon
eingangs erwähnten, hat jedes Volk :ebenso wie Wälder und Haine,
auch Berge seinen Göttern geweiht; mit der Verkündung und Ausbreitung
des Christentums bemühten sich die frommen Männer, die Erinnerungen
an den heidnischen Aberglauben auszutilgen, und weihten die Denkstätten
und Heiligtümer denjenigen Heiligen, die sie bei ihrer Bekehrungstätigkeit
vielleicht berührt hatten. So gaben sie den Bergen neue Namen, sicherlich
in guter Absicht: ob sich dies mit den heiligen Dogmen vertrug?
Ob es der Kirche zuträglich war? Diese Fragen mögen andere entscheiden.
Nicht wenige Gebirgsgruppen wurden nach Heerführern oder berühmten
Männern benannt, die zufällig ihre Heere durch diese Gegenden geführt
haben. So sind unserer Meinung nach die Julischen Alpen in Venetien
wie auch der Julier in den Rätischen Alpen nach Julius Cäsar benannt;
die Penninischen oder Punischen Alpen haben einer weitverbreiteten
Meinung nach den ihren vom Punier Hannibal; der Lukmanier den seinen
von dein Etrusker Lucumon; der Rätikon von Rhetus, nach dem auch
das Volk der Rätier benannt ist. So sollen auch die Berge Sempronius,
oder Scipio (Simplon) und der Mons Sylvius (Theodul Paß) im Wallis
nach römischen Feldherrn, die Grajischen Alpen, wie man sagt, nach
dem griechischen Herkules, der sie überschritten hat, benannt sein
...
|
| |
|
|
|
|
|
Quelle:
Josias Simler
aus: De Alpibus Commentarius. Die Alpen.
|
| |
|
Über den Autor
|
|
Josias Simler (auch Josias Simmler; * 6.
November 1530 in Kappel am Albis; † 2. Juli 1576 in Zürich) war
ein Schweizer Theologe und Landeskundler. 1544 ging Simler nach
Zürich, um unter seinem Paten Heinrich Bullinger zu studieren. Er
setzte sein Studium in Basel und Straßburg fort. 1552 wurde er in
Zürich Professor für Exegese des Neuen Testaments, 1560 für Theologie.
Ab 1555 begann er die Bibliotheca universalis von Conrad Gesner
neu herauszugeben.
Desweiteren schrieb die erste ausschließlich den Alpen gewidmete
topographische Darstellung, die er als Vorarbeit benutzte für eine
allgemeine Geschichte der Schweiz. Er behandelt den Namen des Gebirges,
Ausdehnung, Lage, Breite, Höhe, die Alpen in der Geschichte, verschiedene
Teile der Alpen, Pässe und Wege, Schwierigkeiten und
|
|
Gefahren der Reisewege, die Bevölkerung,
Gewässer, Pflanzen und Tierwelt. Simlers Darstellung begründet sich
auf das Studium antiker Autoren und zeitgenössischer Humanisten,
Simler konnte wegen eines Gichtleidens die Alpen selbst nie bereisen.
|
 |
 |
 |
|
© emmet 11-2006
|
|