 Der Geist des Ortes
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OBEN | |
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| | Erklärungsversuche
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Leonardo da Vinci
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Von den Gebirgsquellen (um 1510)
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Das Wasser, das sich in den höchsten Gebirgen
befindet, ist nicht etwa dort, weil es durch die Wärme der Sonne
dorthin gezogen wird, denn diese Wärme dringt kaum in die Tiefe,
wie man am Verina-Felsen sieht. Da vermag die Sonne das Eis auch
während der größten Sommerhitze nicht zu schmelzen; im Gegenteil,
es bleibt in seinen Höhlen, in denen es seit dem Ende des Winters
liegt. Und auf der Nordseite der Alpen, wohin die Sonne nicht scheint,
schmilzt das Eis nie, weil die Sonne mit ihrer Wärme nicht einmal
die geringe Dicke der Berge durchdringen kann. Also wird der große
Raum, der zwischen den Gipfeln der hohen Berge und den Tiefen der
Wassersphäre liegt, durch diese Sonnenwärme noch weniger durchdrungen
werden, denn sie müsste dabei bis unter die Grundlagen eines solchen
Gebirges dringen.
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Und wenn du behaupten würdest, daß die
Sonne, wie schon gesagt, die Gewässer von den Grundfesten der Berge
bis zu saugt und zieht, dann müßte die stärkere Wärme, da die Wärme
die Feuchtigkeit anzieht, eine größere Wassermenge anziehen als
die schwächere. Folglich müßten im Sommer, bei glühender Hitze,
die Wasseradern reichlicher sprudeln als im Winter; aber wir sehen,
daß es umgekehrt ist, da die Flüsse im Sommer einen großen Teil
ihrer Gewässer verlieren.
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Quelle:
Wo Europa den Himmel berührt
Artemis Verlag
aus: Tagebücher und Handschriften, Leipzig,
1952
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| Über den Autor |
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Leonardo da Vinci (* 15. April 1452 in
Anchiano bei Vinci; † 2. Mai 1519 auf Schloss Clos Lucé, Amboise)
war Maler, Bildhauer, Architekt, Musiker, Anatom, Mechaniker, Ingenieur,
Naturphilosoph und Erfinder in der Renaissance; er wird als das
italienische Universalgenie bezeichnet. Sein Geburtsort Vinci war
ein Kastell oder befestigtes Hügeldorf im Florentiner Territorium
(ca. 30 km westlich von Florenz) nahe Empoli, von dem die Familie
seines Vaters ihren Namen ableitete.
Er war einer der ersten, der die Alpen nicht als eine abweisende
terra incocgnita bezeichnete, sondern seine geniale Persönlichkeit
als Naturforscher auf die Berge richtete. So versuchte er, Einblick
in die Geologie des Gebirges und seiner physikalischen
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Gestzmäßigkeiten zu gewinnen.
Durch die Besteigung des "Monboso" (wahrscheinlich der
2556 m hohe Monte Bo, südlich des Monte Rosa) 1511, trug er
sich in die Analen der ersten Bergbesteigungen ein.
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