Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

OBEN
Prosa

Erklärungsversuche


Kailash - Weltberg




Schöpfungsmythos der Naxi

Weltberg

Die neun Schöpfer des Himmels und die sieben Schöpferinnen der Erde kamen überein, dass der Himmel, da er noch wackelte, gestützt werden müsse. Im Osten errichteten sie einen weißen Koncha-Pfosten, um den Himmel zu stützen, im Süden einen türkisfarbenen, im Westen einen schwarzen aus Karneol, im Norden einen goldenen und in der Mitte einen aus Eisen. Dieser war zu kurz und so füllten sie den lest mit blauem Dunst.
Daraufhin beschlossen sie, den Weltberg Kailash zu bauen. Diejenigen, die Wissen und Fähigkeit besaßen, schafften schwarze Erde herbei, Felsen, Silber, Gold, Jade, Korallen und Muscheln und schütteten diese auf allen vier Seiten im Quadrat auf. Sie riefen den Tiger und den Leoparden herbei, des Schneelöwen, den goldenen Elefanten und einen Giganten um den Weltberg zu bewachen.
Nun hatte er Wächter, doch brauchten er noch eine Hülle. Weißer Tau stieg herab und wurde zu Eis. Auf die Seiten legten sich drei lagen schwarzer Erde, auf der Gras und Artemisa wuchsen. Diesen folgten drei Pinien, drei Fichten und drei Wacholderbäume, drei hohe Klippen und drei schwarze Hügel. Sie alle umgaben den Berg und stützten den Himmel ab, sodass dieser sich nicht mehr bewegte. Sein Fuß berührte die Erde, seine Spitze den Himmel. Nun war der Berg abgestütz.
Was er noch braute, war Macht. Viele Götter gaben ihm Macht. Der erste Vogel, der die Spitze des Weltbergs besuchte, war die Bachstelze. Sie wollte von ihrem weißen Gefieder erzählen, doch da sie eine schwarze Kehle besaß , konnte sie es nicht. Als Nächstes kam die Krähe, die von ihrem schwarzem Kleid erzählen wollte, doch da sie unter ihren Schwanzfedern weiße besaß, konnte sie es nicht. Als Nächstes kam der weiße Schmetterling, der von seiner weißen Farbe erzählen wollte, doch da er während der drei Wintermonate geboren war, blies ein scharfer Wind ihn über die Hänge hinweg, sodass er es nicht konnte. Daraufhin kam die schwarze Ameise zur Welt; sie wollte von ihren schwarzen Anfängen berichten, doch da sie in den drei Sommermonaten geboren war, konnte sie es nicht. Sie wurde vom Monsunregen fortgeschwemmt.
Sie alle beanspruchten die Macht, über die Erde herrschen, doch sie konnten es nicht. Darum musste der Mensch noch geboren weden, der im Schatten des Weltberges leben und die Erde beherrschen sollte.

Siehe auch:
Meru - Der Weltenberg

Quelle:
Alice Grünfelder (Hrsg.)
Himalaya. Menschen und Mythen
Uniosverlag




© emmet 2004




Counter by WebHits Counter