 Der Geist des Ortes
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OBEN | |
| Aber nochmals zu der Frage: Was ist Wandern überhaupt? Um für uns definitionsgewöhnte Menschen des 20. Jahrhunderts eine Erklärung anzubieten , sei nochmals Wolfgang Kaschuba zitiert. Er definiert Wandern als "jene langsame, den Raum gleichsam körperlich abtastende Fortbewegung durch Landschaft und Gesellschaft - sie dient nun als Mittel, um sinnliche Erfahrung und Anschauung zu sammeln. (...) In der Begegnung mit der äußeren Natur, mit dem stofflichen Einfachen und ästhetisch Schlichten soll auch die innere, die menschliche Natur wiederfinden: die Natur als Objekt und zugleich Medium der menschlichen Erkenntnis."(1) | | Mit dieser Definition möchte ich weiter über das Wandern sprechen. Das Wandern aus dieser Sicht spricht vor allem den empfindsamen, suchenden und auf Veränderung bedachten Wanderer an, weniger den kilometerfressenden und höhenorientierten Trekkingtouristen, denn Wandern, ästehisches Wandern, braucht Zeit. Es geht um Erfahrung, nicht um Muskulatur . | | Der Wanderer lässt los: er kennt keine Termine, keinen Stau, keinen Streß. Es gibt nur noch den Weg, Trinken, Essen und Ankommen: die Reduzierung auf das Wesentliche! Von den Alltäglichkeiten ist nur das geblieben, was in den Rucksack hineinpasst. Die Überquerung eines Gebirgsbachs ohne Steg hat plötzlich den | | Stellenwert eines Abenteuers, eine ausgesetzte Stelle erfordert unseren ganzen Mut. Hier liegt der eigentliche Kern des Wanderns. Der Mensch tritt, von allen zivisilatorischen Zwängen befreit, der Welt direkt und unmittelbar entgegen. |  | | Das Leben wird nicht, wie Thoreau sagt, "durch das Ticken einer Uhr zernagt", der Mensch wird essen, wenn er Hunger hat, trinken, wenn er durstig ist, wird ruhen, wenn er ermattet ist, und erlebt so einen "natürlichen Tag". So wird auch die Nahrungsaufnahme zum kulinarischen Erlebnis: Äpfel, Brot, Käse, vielleicht noch Joghurt und ein wenig Schokolade schmecken besser als jedes Menü in einem Restaurant, zumal diese Produkte aus regionaler, bäuerlicher Herkunft stammen. | | Mit der Befriedigung primärer körperlicher Bedürfnisse ist der Erlebniswert des Wanderns noch immer nicht erschöpft. Wandern hängt auch mit Eindrücken, Empfinden, Sehen und Gefühl zusammen, eben mit den Sinnen. So sind es nicht nur die grandiosen Gebirgslandschaften, die auffallend in unser Gesichtsfeld treten, auch kleine Dinge am Wegesrand wie Blumen und Insekten, erregen unserer Aufmerksamkeit. | | Der Wanderer bewegt sich in der Landschaft, muss sich ihr anpassen und erlebt sie so hautnah. Dies führt zu einer tiefen Befriedigung in seinem Inneren. Trotz des langen Weges und eines schweren Rucksacks, ist die Freude an der Natur Bestandteil seines Weges. Mit jedem Schritt kommen ihm die Schönheiten der Natur entgegen, Schönheiten, die ihm in seiner zivilisatorischen Zwangsjacke in ihrer Ursprünglichkeit verloren gegangen sind. Hier, auf dem Wanderpfad, zeigt sich Schönheit in einer Blume ebenso wie in der Landschaft, Schönheit die zum Verweilen und Versenken einlädt. | | So wird der Wanderer selbst zu einem Teil der Natur, und bildet mit ihr eine Einheit. Die Erfahrung dieser Einheit mit der Natur und damit auch dem Göttlichen ist, trotz aller Zivilisation, möglich. Es bedarf lediglich einer gewissen Bereitschaft und Öffnung den kleinen und großen Dingen gegenüber, die die Natur für uns bereit hält. Das alles hat nichts mit romantischer Verklärung oder Weltentrückheit zu tun, sondern eher mit der Rückbesinnung |  | | auf die Werte, die dem Menschen des 21. Jahrhunderts abhandengekommen sind, nämlich der Suche nach seinen Ursprüngen, seiner Herkunft, also letztlich nach sich selbst. | |
Quelle:1. Wolfgang Kaschuba, Die Fußreise. A.a.O.; Internet
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Wandervogel
Jean Jacques Rousseau
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